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Fische leiden - Insekten gedeihen

Ems führt 50 Zentimenter weniger Wasser als normal

Oliver Hengst

Greven - „Stabil“ nennt Hermann Mahlow den Pegelstand der Ems. Stabil niedrig. „Seit Mai hat der Fluss konstant wenig Wasser. Die Ems hat sich nie richtig erholt. Der Pegel liegt seitdem rund 50 Zentimeter unter dem, was normal ist.“ Noch muss der Inhaber eines Grevener Kanuverleihs seinen Kunden den Wunsch nach einer Tour auf der Ems nicht abschlagen. Stellenweise müsse man aber aussteigen, um den festgefahrenen Booten zu mehr Wasser unterm Kiel zu verhelfen. Aktuell liegt der Pegel bei gerade mal 90 Zentimeter.

Zu schaffen macht der niedrige Wasserstand der Ems nicht nur den Menschen, sondern auch Flora und Fauna, weiß Dr. Peter Schwartze, Leiter der Biologischen Station des Kreises Steinfurt. Amphibienlaich trockne aus, die Brut der Uferschnepfe und der Bekassine werde gestört. Letztere fühlen sich in den Emsauen in Rheine heimisch - eigentlich. „Und der Sauerstoffgehalt des Wassers ist natürlich niedriger, weil die Fließgeschwindigkeit niedriger ist.“ Das mache den Fischen das Leben schwer - und berge potenziell die Gefahr eines Fischsterbens.

Doch wie alles habe auch diese Medaille zwei Seiten. „Bestimmte Arten können profitieren“, weiß der Biologe. Dort, wo sich am Ufer über die Jahre Sand dünenartig abgelagert habe, fühlten sich seltene Gräser und Kräuter wohl. „Sonst ist das von 08/15-Arten besiedelt.“ Diese ließen den selteneren Artgenossen kaum Platz. Doch in der Trockenheit kämen Letztere zum Zuge. Selbst Arten von der roten Liste verhelfe dies zu neuer Blüte.

In der Folge siedeln sich Insekten an, die dieses Umfeld schätzen: etwa Heuschrecken und bestimmte Schmetterlingsarten.

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