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Ende gut, alles gut?

Eine gute Nachricht: 19 Menschen sind nach über einer Woche aus ihrer Geiselhaft entkommen. Sie haben sie offensichtlich körperlich einigermaßen unverletzt überstanden. Zehn Tage in der Hand von Kriminellen, eine Odyssee durch die Wüste...

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Eine gute Nachricht: 19 Menschen sind nach über einer Woche aus ihrer Geiselhaft entkommen. Sie haben sie offensichtlich körperlich einigermaßen unverletzt überstanden. Zehn Tage in der Hand von Kriminellen, eine Odyssee durch die Wüste, durch das Grenzgebiet von Ägypten, dem Tschad und dem Sudan. Zehn Tage Todesangst überlebt. Kein Wunder, dass die fünf Deutschen, fünf Italiener, eine Rumänin und acht Ägypter in Kairo mit lachenden Gesichtern aus dem Flugzeug stiegen. Eine wirklich gute Nachricht also.

Aber sicher nicht das Ende der Geschichte. Zu viele Fragen bleiben offen. Ist Lösegeld geflossen? Wurde Gewalt angewendet? Mussten – ägyptische oder europäische – Sicherheitskräfte sich in Gefahr begeben, um die Urlauber aus der Hand der Geiselnehmer zu befreien? Wurden Unbeteiligte gefährdet? Und nicht zuletzt: Wer bezahlt die Spesen?

Der Abenteuertourismus in die ärmsten Regionen dieser Welt wird mehr und mehr zum Problem. Wo das tägliche Überleben ein harter Kampf ist, wird der reisende Reichtum offensichtlich zu einer allzu verlockenden Versuchung. Wer das beharrlich ignoriert, macht sich zumindest grober Fahrlässigkeit schuldig.

Da bleibt – jenseits der schweren Schuld der Entführer – die Frage nach der Eigenverantwortung der Touristen. Offensichtlich hat sich ein gehöriges Maß an Lebensversicherungs-Mentalität breitgemacht: Ein bisschen Abenteuer darf sich der Mensch schon gönnen; das macht das Leben erst interessant. Wenn was passiert, werden sich andere um uns kümmern. Vielleicht sollten die beteiligten Regierungen den Wüstenabenteurern mal die echte Rechnung aufmachen.

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