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Entlassjahrgang 1959: Dauerwelle und Seidenstrumpf waren verboten

wn

Ibbenbüren. Sie umfasst nur relativ wenige Jahre im Leben eines jeden Menschen, und doch ist die Schulzeit die wohl prägendste Zeit, an die man sich auch nach Jahrzehnten noch in manch kuriosem Detail zu erinnern vermag. Das stellten am Samstag die Ehemaligen des Entlassjahrgangs 1959 der privaten Mädchen-Realschule der Schwestern der göttlichen Vorsehung St. Josefstift Ibbenbüren (heute: Roncalli-Realschule) fest, als sie sich zu einer fröhlichen Wiedersehensfeier im Hotel „Hubertushof“ trafen.

Unter Zuhilfenahme alter Fotos fiel das Erinnern an diesem Tag besonders leicht: Sehr streng sei es damals zugegangen, wissen noch alle elf Teilnehmerinnen des Treffens, und ganz besonders streng sei Schwester Ansgara gewesen, die der Klasse als Klassenlehrerin - zuständig für die Fächer Mathematik, Physik und Chemie - zugeteilt wurde, nachdem die 22 Mädchen den davor eingesetzten Klassenlehrer durch ihr aufmüpfiges Verhalten vergrault hatten.

Die Sitten der 50er Jahre, insbesondere das an der Schule geforderte Verhalten, hätten den Widerstand geradezu herausgefordert, finden die Ehemaligen heute. Dauerwelle, Seidenstrümpfe, Hosen oder Ausschnitte seien zu ihrer Schulzeit streng verboten gewesen, erinnern sich die Frauen.

Um den Blick auf Männer und Jungen, die auf der Straße vor der Schule entlang liefen, zu verstellen, sei der untere Fensterbereich der Klasse mit Milchglasscheiben abgeschirmt worden, außerdem gab es samstags in der sechsten Stunde Anstandsunterricht: Dort lernten die Mädchen, dass sie mit gesenktem Blick durch die Stadt zu gehen hätten. Klar, dass unter diesen Umständen auch die Tanzstunde im Jahr 1958 hart erkämpft werden musste.

Doch trotz all der Anstrengungen der Ordensschwestern, Scheu und Zurückhaltung zu vermitteln, haben sich die Mädchen des Entlassjahrgangs 1959 zu aufgeschlossenen und fröhlichen Frauen entwickelt. „Wir haben viel gelernt“, sind sich alle einig - unter anderem auch, wie man im Walzertakt blind im Zehnfingersystem auf der Schreibmaschine schreibt.

Sechs Jahre verbrachten die 22 Mädchen gemeinsam, hielten in dieser Zeit zusammen, „wie Pech und Schwefel“ und heckten so manchen Streich gegen die strengen Nonnen aus, die sich - wie sich die Klasse noch heute schmunzelnd erinnert - auf den Ausflügen becherweise Blaubeeren von den Schülerinnen sammeln ließen.

Bei so viel Zusammenhalt verwundert es nicht, dass die Klasse nach einigen Jahren zunächst sporadische, später jährliche Treffen aufnahm. Seit nunmehr 30 Jahren gehört das jährliche Treffen ins feste Jahresprogramm der Ehemaligen; dank Dietlind Petras (geborene Meier) aus Hattingen an der Ruhr wird das Wiedersehen seit drei Jahrzehnten zuverlässig jedes Jahr aufs Neue organisiert. Festes Ziel des Treffens ist jedes Mal das Hotel „Hubertushof“, und auch die nachmittägliche Stachelbeertorte, die dann auf den Tisch kommt, gehört inzwischen schon zur Tradition.

In diesem Jahr, zum 50-jährigen Jubiläum der Schulentlassung, kam die Hälfte der Klasse angereist (fünf weitere Mitschülerinnen waren wegen Krankheit verhindert); einige Ehemalige wohnen noch in der näheren Umgebung, andere leben im Ruhrgebiet, in Süddeutschland, an der Nordseeküste und sogar in Italien.

Doch bis zum nächsten Klassentreffen ist es ja nicht weit hin: Dank des jährlichen Turnus sehen sich die Ehemaligen spätestens im nächsten Jahr wieder.

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