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Er ist nur ehrlich

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SPD-Parole: SchwarzGelb verhindern. Steinbrück-Parole: Schwarz-Rot verlängern. Richtig ist: Kommt mangels hinreichender Stimmen nicht die Wende zum Bündnis von Union und FDP, dann bleibt es bei der großen Koalition. Vorerst, bis SPD und Grüne nicht doch mit den Linken paktieren.

Steinbrück ist der Ehrlichere. Denn die übrigen SPD-Oberen tun so, als könne Steinmeier mit Hilfe der Grünen, aber eben auch der FDP Kanzler werden. Kann er nicht, weil die FDP nie und nimmer mitspielt.

Für das herbeigesehnte Außenministeramt macht Guido Westerwelle alles mit? Er ist kühl genug, sich auszumalen, dass er dann sicherlich nach spätestens zwei Jahren aus der Regierung geworfen wird und Rot-Rot-Grün kommt.

Taktisch können es sich die Genossen Wahlkämpfer nicht leisten, so ehrlich wie Steinbrück zu sein. Die FDP nicht mit der SPD, die SPD nicht mit der Linkspartei: bei diesen Vorgaben kann Steinmeier kein Kanzler werden. Aber natürlich kann der Kandidat nicht gut Wahlkampf um Platz zwei in der Regierung betreiben.

Nun kann man rätseln, warum Steinbrück - immerhin (auf jeden Fall noch bis zum November-Parteitag) Vizechef der SPD - in die Offensive für eine Verlängerung der großen Koalition gegangen ist. Wegen der Sachthemen? Abwegig wäre das aus seiner Sicht nicht: Eigene Regierungs-Akzente können die Sozialdemokraten nach Lage der Dinge nur setzen, wenn es mit Schwarz-Rot weitergeht.

Aus Gründen der persönlichen Lebensplanung? Nur in einer großen Koalition kann Steinbrück seinen Finanzminister-Job behalten. Aber auch: Bei Merkel hat sich Steinbrück mit seinem Vorstoß gewiss nicht in die Nesseln gesetzt. Kolportiert wurde ja bereits, die Kanzlerin wolle für ihn gegebenenfalls nach einer hochkarätigen politischen Weiterverwendung auf europäischer Ebene suchen. Was er prompt dementierte - aber womöglich nur pflichtschuldigst.

Der wohl größte Verdruss der SPD-Strategen über den eigenwilligen Steinbrück: Wenn jetzt wieder öffentlich über die SPD-Optionen nach der Wahl diskutiert wird, dann befördert dies zwangsläufig das Rot-Rot-Thema: Doch schon jetzt auf Bundesebene?

Einziger Trost für Müntefering und Steinmeier: Die Kanzlerin hat auch ihren Störenfried - Seehofer.

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