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Er jagt Verbrecher mit dem Stift

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Sie hatte nur wenige Sekunden, um sich den Räuber einzuprägen. Der Mann bedrohte sie mit einer Pistole. Kaum hatte er das Geld zusammen, war er schon geflohen. Und nun, wie sah er aus? Die Mitarbeiterin der Bank gräbt in ihrem Gedächtnis. Doppelkinn? Muttermale?

„Es ist erstaunlich, an was sich Zeugen noch erinnern, obwohl sie den Täter manchmal nur einen Augenblick gesehen haben“, sagt Uwe Kinn. Er lässt sich von den Leuten erzählen, was sie sich gemerkt haben. Dann fügt er das zu einem Phantombild zusammen. Also zu einem Bild von einem Menschen, den er nie gesehen hat.

Der 36-Jährige greift zu einer Art elektronischem Block und zu einem Digitalstift. Beides ist an einen Computer angeschlossen. Auf dem Bildschirm ist erst mal nur ein schmaler Kopf zu sehen. Mit ein paar Strichen zieht Uwe Kinn die Wangen noch etwas breiter. Dann soll die Zeugin das Haar des Täters beschreiben. „Ja, Mittelscheitel stimmt, aber die Strähnen noch etwas dichter.“ Sekunden später hat Uwe Kinn das Haar dichter gezeichnet.

Als Nächstes folgen die Augen: Hier ein wenig schmaler, da etwas weniger Schatten unter den Lidern. Dann kommen Nase und Mund. Nach ein bis zwei Stunden ist das Bild fertig. „Ein Phantombild ist ein Erfolg, wenn der Zeuge sagt: Ja das war er“, sagt Uwe Kinn. Und dann kann sie richtig losgehen, die Jagd nach dem Verbrecher. Das Phantombild ist zwar nicht so genau wie ein Foto. Aber manchmal bringt es die Ermittler auf die richtige Spur.

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