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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Erfolgsstory mitten in der Krise

Frank Klausmeyer

Westerkappeln - Seit gestern ist der Kreisverkehr am „Langenbrücker Hof“ beleuchtet. Das klingt nicht sonderlich aufregend. Die Erfolgsstory, die sich mitten in der Wirtschaftskrise dahinter verbirgt, ist es aber wohl. Denn im Zentrum des Kreisels steht keine gewöhnliche Straßenlaterne, sondern ein mit Solar- und Windkraft betriebenes Lichtsystem, das völlig autark arbeitet. Entwickelt und hergestellt wird es von der VAT Energies an der Osnabrücker Straße. Innerhalb kürzester Zeit hat sich dieses Hightech-Produkt zum Kassenschlager des Unternehmens entwickelt.

„Wir streben in den kommenden zwölf Monaten dafür ein Umsatzvolumen von mehr als 15 Millionen Euro an“, erklärt Oliver Viehweider, Kopf, Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma.

Die VAT Energies ist eine Tochter der VAT Getriebetechnik GmbH aus Laggenbeck. Im Herbst vergangenen Jahres hatte Viehweider die Möller GmbH übernommen. Seitdem kommt der traditionsreiche Maschinenbauer dank bester Auftragslage mit der Arbeit kaum noch nach. Der Standort an der Osnabrücker Straße ist gleichzeitig Sitz von VAT Energies.

60 Mitarbeiter waren im vergangenen Oktober dort beschäftigt. „Wir haben jetzt die 100er-Marke geknackt“ berichtet Viehweider. Bis 2011 will der 41-Jährige die Belegschaft beider Betriebe auf mindestens 250 Beschäftigte ausbauen. „Wir stellen dafür jeden Monat zehn neue Leute ein.“ Nur für die Lichtsysteme sollen in Westerkappeln und einer Niederlassung in den USA rund 100 Leute arbeiten.

Vom Erfolg seiner Idee ist der Unternehmer selbst überrascht. 12 500 Leuchten sind das Produktionsziel innerhalb des nächsten Jahres. Allein ein großer Discounter habe für 600 Märkte je zehn Parkplatz-Laternen geordert. Parkanlagen, Bushaltestellen sowie öffentliche Wege und Plätze eigneten sich ebenso für die Installation, betont Viehweider.

Die Technik, die dahinter steht, ist einzigartig. Die Energie wird aus der Kombination einer Photovoltaik- und Mini-Windkraftanlage gewonnen. Angeschlossen ist ein Akku, der eine Speicherkapazität von bis zu vier Tagen hat. Das heißt: Auch bei absoluter Windstille und tagelangem bedeckten Himmel gehen die Lichter nicht aus. Unter dem Lampenschirm ist eine Leuchte mit neuester, energieeffizienter LED-Technik integriert. Am Fuß der Anlagen befindet sich der Batteriekasten mit Steuerung. „Und das machen wir alles Made in Germany“, sagt Viehweider stolz.

Je nach bestellter Stückzahl koste so ein Lichtsystem 6500 bis 5000 Euro. „In weniger als drei Jahren amortisieren sich die Anlagen“, versichert der VAT-Geschäftsführer. Nicht zuletzt der Verzicht auf den Kabelanschluss für das Stromnetz spare eine Menge Geld gegenüber herkömmlichen Straßenlaternen.

Die ökologischen Lichtsysteme bietet VAT in drei Modellen an: Virgo (Jungfrau), Gemmini (Zwilling) und Leo (Löwe). „Bei der Namensgebung haben wir uns an Sternkreiszeichen orientiert“, erzählt der Geschäftsführer, der für seine Produkte eine optimale Ausleuchtung und lange Lebensdauer verbunden mit individuellem Design verspricht. Spezielle Kundenwünsche könnten berücksichtigt werden. Und noch ein Verkaufsargument: Als Werbeträger können die Lampen für zusätzliche Einnahmen sorgen.

So rasant wie die Stückzahlen und die Belegschaft soll sich auch der Standort entwickeln. „Bis heute haben wir für die Infrastruktur und Maschinen 1,8 Millionen Euro investiert.“

Neben seinen Lichtsystemen entwickelt und baut VAT auch noch neuartige größere Windkraftanlagen, die sich nicht - wie üblich - vertikal, sondern horizontal drehen. Darüber hinaus ist die Möller GmbH weiter als Maschinenbauer im Auftrag anderer Unternehmen tätig.

Nachdem die bestehenden Gebäude saniert wurden, will Viehweider - wie berichtet - jetzt neu bauen. Die Produktionshallen sollen mit über 4000 Quadratmeter mehr als verdoppelt werden. Und ein neues Verwaltungsgebäude mit 1200 Quadratmetern Bürofläche wird ebenfalls in Westerkappeln aus dem Boden gestampft werden.

Sobald die Baugenehmigungen vorliegen soll es los gehen. „Wir haben keine Möglichkeit, entsprechende Hallenkapazitäten anzumieten“, gibt Viehweider zu bedenken.

Die VAT Getriebetechnik mit derzeit 20 Mitarbeitern soll in Laggenbeck bleiben. Auch dort - vormals Keller - platze man mittlerweile aus allen Nähten, sagt der Geschäftsführer, der noch Ingenieure sucht.

Bürgermeister Ullrich Hockenbrink ist von dieser Erfolgsgeschichte begeistert. „In diesen Zeiten sind wir nicht nur froh über jeden Arbeitsplatz, der erhalten bleibt, sondern erst recht, wenn neue geschaffen werden.“

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