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Bundespräsident besucht Friedensstadt

Erster Staatsmann in der Heimat

Björn Meyer

Osnabrück - Mit neun Jahren hatte er vom damaligen Oberbürgermeister auf den Rathaustreppen eine Brezel erhalten. „Es war eine besondere, eine Friedensbrezel“, stellte Christian Wulff am Donnerstag klar. Aus dem naschhaften Grundschüler Christian ist mittlerweile der deutsche Bundespräsident Wulff geworden.

Aber noch immer ist das Osnabrücker Rathaus für ihn etwas Besonderes. 15 Jahre saß er dort im Rat seiner „Heimatstadt“, die ihn so sehr geprägt habe. Auch als Landtagsabgeordneter war er noch Stammgast im Rathaus des westfälischen Friedens.

Ob er sich jemals habe vorstellen können, einmal als Bundespräsident nach Osnabrück zu kommen, wurde Wulff am Donnerstag gefragt. „Das kann ich ganz offen verneinen. So etwas kann sich doch niemand vorstellen und die, die es können, werden eher nicht Bundespräsident“, sagte Wulff, nach dem er sich zuvor in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte. Übrigens bereits das fünfte Mal, wie Oberbürgeister Boris Pistorius über - O-Ton - „meinen Freund Christian“ verriet. Die beiden Politiker kennen sich seit ihrem 13. Lebensjahr.

Während sich Wulff beim Thema Japan und der Frage nach der Richtigkeit der Atom-Laufzeitverlängerung auffallend zurückhielt, wirkte der Bundespräsident ansonsten gut aufgelegt und gar nicht still. Dabei hatte er bei der Ankunft am Osnabrücker Rathaus seine alte Kindergärtnerin getroffen. „Sie hat mir verraten, dass sie gar nicht glauben könne, dass ich Bundespräsident bin. Früher habe ich angeblich keinen Ton herausbekommen“, erzählte Wulff freimütig.

Osnabrück darf sich derweil auf weitere Besuche des Bundespräsidenten freuen. Er plane einige ausländische Staatsgäste in seiner Heimatstadt zu empfangen. Voraussichtlich wird der türkische Staatspräsident Abdullah Gül bereits Ende dieses Jahres nach Osnabrück kommen.

„Diese Stadt steht für Respekt und Offenheit“, sagte Wulff. Offen präsentierte sich auch der Bundespräsident selber. Schon bei seiner Ankunft am Rathaus ging er auf die Menschen zu, sprach mit Schülern und später auch mit entlassenen Karmann-Angestellten, wo er eingestehen musste, dass zwar sehr viele, aber eben nicht alle von dem neuen VW-Werk in Osnabrück profitierten. „Tragen Sie unser Schicksal in den Bundestag“, forderte ein Demonstrant. „Da bin ich zwar nicht“, entgegnete Wulff, aber er werde sich weiterhin für den Automobilstandort Osnabrück einsetzen.

Keine leere Versprechung: Dass durch das neue VW-Werk Arbeitsplätze in Osnabrück geschaffen werden, ist „nicht zuletzt dem Engagement von Christian Wulff zu verdanken“, wie Pistorius überzeugt betonte.

Überhaupt ist der zehnte Bundespräsident Deutschlands offenbar ein Mensch, der andere überzeugen kann. Er habe zuletzt einen der kommenden chinesischen Staatsführer getroffen, erzählte Wulff. Dem habe er gesagt: „Wir beide sind für ein Fünftel der Weltbevölkerung verantwortlich. Das fand er glaube ich ziemlich überzeugend“, sagte Wulff und hatte die Lacher so nicht nur aus heimatgebundener Sympathie auf seiner Seite.

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