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Es bebt und brodelt in Borken

Peter Berger

Borken - Die Kommunalwahl in Borken ist so spannend wie selten zuvor. Gegen den parteilosen Bürgermeister Rolf Lührmann (58) schickt die CDU Axel Linke (43) ins Rennen. Dieser Zweikampf hat eine Ursache: das „Borkener Beben“.

Im Herbst 2007 war es zum Zerwürfnis zwischen Lührmann und der CDU gekommen. Lührmann fühlte sich von der CDU-Fraktion gemobbt. Die Union wollte ge­gen seinen Willen den in Ungnade gefallenen Ersten Beigeordneten Rüdiger Middel im Amt halten. Lührmann trat aus der CDU aus, blieb als Parteiloser auf dem Chefsessel.

In der CDU, bislang stets die 50-plus-x-Partei in Borken, setzte allgemeines Stühlerücken ein. Der Stadtverbandschef wechselte, der Fraktionschef wird nach der Wahl nach 34 Jahren im Rat aufhören, zwei Drittel der Ratskandidaten sind neu. Der Bürgermeisterkandidat Axel Linke kommt aus Salzgitter. Eigentlich hatte er sich im Sommer 2008 als Erster Beigeordneter der Stadt Borken beworben, doch die Stelle wurde anders besetzt. Die CDU schaute sich die Mappe genauer an und kam zu dem Schluss: Linke ist uns als Herausforderer genau recht.

Der Diplom-Verwaltungswirt ist in Salzgitter persönlicher Referent des CDU-Oberbürgermeisters. Dieser hat vor nunmehr drei Jahren die jahrzehntelange Vorherrschaft der SPD in der 100 000 Einwohner großen Stahlstadt gebrochen. Nun soll und will Linke in Borken die jahrzehntelange Vorherrschaft der CDU wiederherstellen.

Wenn da nicht Amtsinhaber Rolf Lührmann wäre. Seit 1992 sitzt er im Sattel. Zunächst als Stadtdirektor, seit 1999 als hauptamtlicher Bürgermeister. Auf der Habenseite: eine finanziell gesunde Stadt.

Als Wirtschaftsstandort liegt Borken in einer Rangliste der IHK unter 31 Mittelzentren auf dem fünften Platz. Harte Nüsse gibts auch: ein an der A 31 geplantes interkommunales Gewerbegebiet zum Beispiel, gegen das sich eine Bürgerinitiative formiert hat.

Die Programme der beiden Kandidaten sind so unterschiedlich nicht: hier wie da wird solide Finanzpolitik, Bür­­gernähe und Familienfreundlichkeit versprochen.

Lührmann beruft sich auf seine langjährige Erfahrung und darauf, dass ein parteiloser Bürgermeister die Kommunalpo­litik transparenter mache. Linke setzt auf die Kraft des frischen Windes.

Das politische Klima in der Kreisstadt ist seit dem Beben aufgeheizt. In den Rats- und Ausschusssitzungen flackern immer wieder persönliche Animositäten auf. Und es gibt neue Zweckbündnisse. Die SPD, zu Lührmanns CDU-Zeiten selten auf seiner Wellenlänge, unterstützt ihn nun. Grüne und FDP sind in der Bürgermeisterfrage hingegen auf Seiten der CDU. Jamaika im Westmünsterland.

Und dann gibt es seit ein paar Monaten auch noch zwei Wählergemeinschaften. Der UWG-Fraktionschef lag mit dem Vorstand überkreuz und formierte eine eigene Truppe: die „Freien Wähler Borken“.

Vor knapp drei Wochen dann dies: Eine CDU-Ratsfrau beziehungsweise ihr Mann sehen sich durch ­Lühr­mann- Plakate direkt vor ihrem Haus provoziert, Werbe-Porträts der Konkurrenz verschwinden in der Mülltonne. Das Lührmann-Lagers lässt sich nicht lumpen: Ausgerechnet unter dem CDU-Slogan „Besser für Borken“ wird die Plakat-Posse ins Netz gestellt.

Es bebt nicht mehr in Borken. Es brodelt.

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