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Es geht auch ausgewogen

Marian Schäfer

Münster - Es ist 12 Uhr - und der Zeitpunkt für Nachfragen denkbar ungünstig. Das Küchenteam der Messdienergemeinschaft Hauenhorst/Catenhorn ist ordentlich im Stress, ist dabei, das Mittagessen vorzubereiten - für 86 hungrige Jugendliche und 26 nicht weniger hungrige Betreuer.

Der Raum dafür ist so begrenzt wie die Mittel und das Personal, das Ziel aber klar definiert: „Wir versuchen, das Mittagessen immer so ausgewogen wie möglich zu halten“, sagt Carina Schiermann, die das Lager der Messdiener schon seit über zehn Jahren als Betreuerin begleitet. 25 Kilo Kartoffeln sind bereits geschält, die meisten der 280 Eier fürs Rührei verquirlt, die Masse leicht gesalzen, ein bisschen gepfeffert. Es fehlen noch die 18 Brokkoli, die das Mittagessen abrunden sollen.

Einfacher wäre es, Nudeln mit Ketchup anzubieten. Oder Bolognese aus dem Glas. Aber die Zeiten, in denen es reichte, Kinder und Jugendliche einfach nur satt zu kriegen, sind vorbei. Gesunde Ernährung spielt längst auch im Alltag von vielen Lagern eine große Rolle - weil Eltern dies einfordern, aber auch, weil die Betreuer sich in der Pflicht sehen: „Es gibt Kinder, die manchmal mit einer Gemüsesuppe, Äpfeln und Bananen nicht viel anfangen können und das auch von Zuhause nicht mehr kennen“, sagt Nadine Kolbe, die mit dem Lager der Ottmarsbocholter St.-Urban-Gemeinde noch bis zum morgigen Sonntag im beschaulichen Schneppenbach im Hunsrück ist.

Natürlich: Auch im Jahr 2011 wird in den Lagern gegrillt, mal Hamburger gemacht. Und auch Nutella kommt auf so manchen Frühstückstisch. Aber die Betreuer scheinen insgesamt für das Thema Ernährung sensibilisiert: „Wir achten darauf, dass es auch beim Frühstück Tomaten und Gurken auf die Teller schaffen“, sagt Petra Lammerding, die mit den Pfadfindern aus Sendenhorst gerade im Sommerlager war.

Generell werde darauf geachtet, dass bei jedem Essen viel Gemüse dabei sei - und Kinder auch lernen, dieses zuzubereiten: „Die wissen nach dem Lager, wie Zwiebeln und Paprika geschnitten werden“, erklärt Karoline Hunder, die bei den Pfadfindern oft im Küchenteam mit dabei ist. Und Petra Lammerding ergänzt: „Bei uns werden außerdem möglichst Lebensmittel aus regionalem und ökologischen Anbau verwendet.“

Die Pfadfinder aus Sendenhorst sind nicht die Einzigen, die auf Zutaten aus der Region Wert legen. Viele Lager achten darauf - und suchen sich in dem Gebiet, in das sie reisen, Landwirte, von denen sie Lebensmittel beziehen.

Die Kinder und Jugendliche, die mit Nadine Kolbe und der St.-Urban-Gemeinde in Schneppenbach sind, bekommen zum Beispiel jeden Morgen frische Milch vom Bauern. „Und auch das Fleisch beziehen wir von einem Landwirt aus der Umgebung“, erzählt die Betreuerin.

Und wenn ein Kino-Abend mit Popcorn anstünde, gebe es mittags nur eine leichte Suppe.

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