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Down-Syndrom

„Es gibt andere, die sind wie ich“

Münster - Ein Trampolin. Das ist ja zum Hüpfen da. Denkste. Die drei jungen Damen auf dem blauen Rund zeigen gerade, dass man dort auch sehr bequem ruhen kann. Ausgestreckt liegen sie da, Pia, Kim und Marya, und blinzeln in den bunten Stoffhimmel...

Martina Döbbe

Münster - Ein Trampolin. Das ist ja zum Hüpfen da. Denkste. Die drei jungen Damen auf dem blauen Rund zeigen gerade, dass man dort auch sehr bequem ruhen kann. Ausgestreckt liegen sie da, Pia, Kim und Marya, und blinzeln in den bunten Stoffhimmel, den eifrige Mütter immer wieder durch die Luft wehen lassen. Maximilian hat erkannt, dass so ein Plätzchen zwischen dem Trio recht erholsam sein kann und robbt sich ran. Daneben am Tisch werden Karten begutachtet, Philipp krabbelt wieselflink bunten Kugeln hinterher, die vor ihm über den Boden rollen. Und Eric hat beschlossen, dass das Zelt nicht am richtigen Platz steht. Er zieht es durch den Saal - und baut es kurzerhand woanders auf. Ein Blick in die Runde - und schnell ist klar: Eine Spielgruppe trifft sich. Aber halt. Nicht irgendeine. Münsters erste und einzige Spielgruppe für Kinder mit Down-Syndrom ist das, die einmal im Monat donnerstags den Saal der Evangelischen Friedenskirche Gremmendorf in einen quirligen Tobe-Treffpunkt verwandelt.

Ein lockeres Treffen ohne festes Programm. Dafür aber mit viel Power, die die Knirpse da an den Tag legen. Manchmal sind es sechs, manchmal sind es zwölf Kinder, erzählt Andrea Giebeler, Sprecherin der gesamten Elterngruppe „Unser Kind mit Down-Syndrom“. Zu deren Angebotspalette zählt auch eine Krabbelgruppe, die sich ebenfalls einmal im Monat trifft. Down-Kinder spielen gern, sie schwimmen auch gern. Und deshalb freut sich die Elterngruppe über die Möglichkeit, dass die DLRG Kurse anbietet. „Die sind immer schnell belegt.“

Doch zurück nach Gremmendorf, wo langsam nacheinander Mütter und Kinder eintrudeln. Gerne, wie man sofort spürt. Die Kinder kennen sich, die Mütter kennen sich, es ist eine offene, vertraute Atmosphäre. Aber keineswegs eine „geschlossene Gesellschaft“. Neue werden herzlich und mit offenen Armen empfangen. Ein oder zwei Geschwisterkinder sind ebenfalls oft mit von der Partie: „Das klappt wunderbar“, sagt Andrea Giebeler, die nichts dagegen hätte, wenn aus der Spielgruppe in dieser Form vielleicht sogar eine integrative Gruppe würde.

Zu erzählen gibt es immer viel. Über die Kinder, über ihre Fortschritte, aber auch über Probleme und Sorgen. Kinder mit Down-Syndrom, so sagen ihre Mütter übereinstimmend, haben viele Stärken. Aber auch Schwächen. Und da geht es um Förderung, um Unterstützung. „Trost und Zuspruch gehören auch dazu, wenn jemand traurig ist, wenn man manchmal kein Weiterkommen sieht. Das haben wir alle schon erlebt“, sagt Andrea Giebeler. Und das verbindet.

Lautstark geht es mittlerweile zu in dem dem großen hellen Raum, in dem sich Eltern und Kinder sehr wohl fühlen. „Wir stören keinen, auch wenn es rummelig wird“, das sei der große Vorteil. „Wir würden aber gern mehr Förderspielzeug anschaffen, das speziell für unsere Kinder wichtig ist. Aber hier können wir es nicht liegen lassen“, blickt Andrea Giebeler in die Zukunft. Denn mit dem Geld der Spendenaktion soll auch auf jeden Fall dieser Fundus aufgestockt werden. Auch Musikinstrumente stehen auf dem Wunschzettel. denn Musik, Klänge, Töne - das alles spricht die meisten Kinder ganz besonders an. Ein Traum wäre ein eigener Gruppenraum, der in Kooperation mit anderen vielfältig genutzt werden könnte. Bis der sich erfüllt, werden Anschaffungen privat gelagert und zu den Treffen mitgebracht oder familienweise ausgeliehen. Für die Mädchen und Jungen ist diese Gruppe wichtig. „Sie spüren, es gibt andere, die sind so wie ich“, sagen die Mütter. Ihre Kinder verstehen sich oft ganz ohne Worte: beim Spielen, beim Toben, beim Lachen.

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