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Bhopal

Es sind Kinder dieser Welt

Maria Meik

Münster - Melanie Oelpmann hat einen zweiten Vornamen. Susheetha. Das heißt geliebtes Herz. Diesen Namen gaben ihr ihre deutschen Adop­tiveltern, als sie ihr Wunschkind mit sieben Monaten in die Arme schlossen. Ihr kleines Mädchen kam aus einem Heim in Bangalore in Indien. Es wuchs in Ratingen auf und wird am 24. Dezember 24 Jahre alt. Melanie Oelpmann hat Sonne im Herzen: „Ich bin dankbar und schätze es sehr, in Deutschland aufgewachsen zu sein.“

Seit fünf Jahren wohnt sie in Münster, studierte an der Katholischen Fachhochschule Sozialarbeit und integrierte ein Praxissemester im Ausland in ihr Studium. „Durch eine Kommilitonin erfuhr ich von der Partnerschaft zwischen den Erzbistum Bhopal in Indien und St. Norbert in Coerde“, sagt Melanie Oelpmann. Carola Stricker und Notburga Wöstmann vom Ausschuss für Mission, Entwicklung und Frieden der Gemeinde vermittelten den Kontakt auf der Brücke der Freundschaft, die seit 37 Jahren hält und jetzt für weitere Projekte auf finanzielle Hilfe der WN-Leser setzt. Damit Kinder unbeschwert lachen können und Kinder sein dürfen.

Viele Briefe aus Coerde hatte Melanie Oelpmann im Gepäck, als sie für ihr Praxissemester im September 2005 in Delhi landete. In Bhopal war sie zunächst im Bischofshaus untergebracht. Doch Arbeit gab es für sie in einem gebirgig gelegenen Slum mit Hütten, die mit Lumpen gedeckt waren und in Fatehpur dem Dorf, im dem ein Kinderwohnheim an der ausbaubedürftigen Missionsstation mit Hilfe der diesjährigen Weihnachts-Spendenaktion errichtet werden soll. Damit 100 Kinder die Schule besuchen können.

Melanie Oelpmann erlitt einen Kulturschock, als sie mit der Armut konfrontiert wurde. „Dabei lernte ich gastfreundliche Menschen kennen, die mit mir ihren Reis und eine Linsensoße teilten“, ist die 23-Jährige immer noch gerührt. Als sie Anfang September ankam, war gerade Monsun. „Es regnete ohne Ende. Fatehpur war überflutet, weil das Flussbett vollgelaufen war“, erinnert sich die Sozialarbeiterin.

Die Kinder kommen von weit her zur Missionsstation. Weil sie gerne lernen möchten. Das Schulmaterial ist notdürftig. Sie schreiben mit kleinen Kreidestückchen auf alten Tischen. Etwa 30 Kinder besuchen für zehn Monate die Schule und sind die restliche Zeit bei ihren Eltern. „Als ich den Kindern herzliche Grüße von ihren Freunden aus St. Norbert in Coerde bestellte, leuchteten ihre Augen auf und sie klatschten“, so Melanie Oelpmann, die beim DRK in Hamm in der Rückkehrberatung für Flüchtlinge tätig ist.

Die Kosten für Unterricht und den Lebensunterhalt für ein Kind betragen monatlich 14 Euro. Mehr Jungen als Mädchen traf Melanie Oelpmann in der Schule der Missionsstation an. Bei Mädchen werde die Notwendigkeit eines Schulbesuchs nicht gesehen. Sie müssen sich um jüngere Geschwister kümmern, während ihre Mütter Stöcke sammeln und sie meilenweit schleppen, um sie zu verkaufen. Das Essen ist karg, die Menschen hager. Es gibt keine abgetrennten Schlafräume, Hühner, Dreck und Müll, alles ist dicht beieinander, beobachtete Melanie Oelpmann das unvorstellbare Leben der Dorfbevölkerung. In der Schule in Fatehpur hat sie Kinder erlebt, die Malaria hatten. Alle haben in einem Raum geschlafen. Auf dem Boden. Weil Betten fehlen.

„Ich hatte einen kleinen Raum mit Estrichboden, Bett und Schreibtisch ausgestattet. Warmes Wasser gab es nicht. Und nachts wurde mir so manches Mal unheimlich, wenn Ratten durch den Raum huschten...“

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