1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Es wird immer brutaler

  6. >

Archiv

Es wird immer brutaler

Martin Kalitschke

Münster - Auf Münsters Straßen geht es immer brutaler zu. Zwischen Januar und November 2008 hat es 318 schwere oder gefährliche Körperverletzungen mit mehr als 500 Verletzten gegeben - eine Zunahme von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

„Ich neige nicht zu Übertreibungen“, kommentiert Polizeipräsident Hubert Wimber diese Zahlen - „aber das ist eine dramatische Entwicklung“. Mit gezielten Polizeieinsätzen will seine Behörde nun versuchen, die Gewalt in der Öffentlichkeit wieder einzudämmen.

Während schwere und gefährliche Körperverletzungen bislang überwiegend im privaten Bereich vorkamen, hätten sich gewalttätige Auseinandersetzungen 2008 zunehmend auf Straßen und Plätze verlagert. Eindeutiger Schwerpunkt sei das Areal um die Diskothek Go-Parc am Albersloher Weg. Aber auch am Alten Steinweg rund um das „Schwarze Schaf“ sowie im Bahnhofsviertel gehe es immer brutaler zu. Am häufigsten komme es in den Nächten zum Samstag und Sonntag zu Schlägereien, meistens zwischen 1 und 6 Uhr. Die Täter seien überwiegend männlich und zwischen 16 und 28 Jahre alt.

Als „Quantensprung“ bezeichnet Wimber auch den Anstieg leichter Körperverletzungen - von bislang unter 1000 auf 1376 in den ersten elf Monaten 2008. Und auch bei „Widerstandsdelikten gegen die Staatsgewalt“ verbucht die Polizei eine Zunahme um 20 Prozent.

Als eine der Hauptursachen für diese Entwicklungen macht Wimber Alkoholmissbrauch bis hin zu „Lifestyle-Geschichten wie Komasaufen“ verantwortlich. „Danach sitzen die Fäuste lockerer“, so die Beobachtung der Polizei - übrigens nicht nur bei Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund, „sondern auch bei ganz normalen Bürgersöhnen“.

Mit „gezielten Einsätzen“ will die Polizei Herr der Lage werden. Acht Polizeibeamte sind ab sofort zusätzlich vor allem an Wochenenden unterwegs, um Problembereiche zu observieren und gegebenenfalls einzuschreiten. „Wir werden spürbar Präsenz zeigen“, so Wimber, der hofft, dass sich die neue Polizeistrategie rasch in der Ausgeh- Szene herumspricht.

Immerhin: Hinweise auf eine „Intensivtäterszene“ gebe es derzeit nicht. Dafür registriere die Polizei einen verstärkten Gebrauch von Pfefferspray und auch Messern.

Dennoch gebe es für die Münsteraner keinen Anlass, nun an den Wochenenden zu Hause zu bleiben: „Wir werden sicherstellen, dass die Bürger auch weiterhin abends auf die Straße gehen können“, verspricht der Polizeipräsident.

Startseite