1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Etwas „Golden State“ im Ibbenbürener Garten

  6. >

Mit Lokalvideo

Etwas „Golden State“ im Ibbenbürener Garten

wn

Ibbenbüren. Arne Lübke hat einen angeborenen Auto-Tick. Sein Papa hatte schon einen. Mit so einem Tick ist es nicht leicht, den vielen schönen Wagen auf dieser Welt zu widerstehen. Leider ist in Lübkes Garage nur Platz für zwei Fahrzeuge. Deshalb sind seine Autos immer nur Gäste auf Zeit.

Im Moment „wohnt“ in der Garage ein mehr als fünf Meter langer, tiefergelegter Schlitten, lackiert in Blaumetallic, das Dach ist pink inklusive Blumenmuster und jeder Menge Glitzer. Kitschig ist der Chrysler, aber schön. Er sah nicht immer so aus. Arne Lübke hat ihn so gestaltet. Vor zwei Jahren hat er den Wagen im Internet entdeckt und gekauft. Dafür musste er seinen Cadillac, der bis dahin den zweiten Platz in der Garage blockierte, abgeben.

Der 1962er Chrysler, Modell Newport, trägt den Markennamen Town and Country. „Das ist bei Chrysler die Bezeichnung für einen Kombi“, erklärt der 37-Jährige. Das Auto hat einen V8-Motor und einen Hubraum von 5,9 Litern. Große Dimensionen, typisch für amerikanische Autos. Der Chrysler ist ein sogenannter Hardtop-Kombi. Das Dach ist nicht abnehmbar und es gibt keine B-Säule. „Das ist ein seltenes Modell. In Europa weiß ich nur noch von einem.“

Aus diesem Grund musste Lübke den 280 PS starken Wagen, der bis zu 180 Sachen fahren kann, haben. Und den anderen verkaufen: Eins kaufen, eins verkaufen - seit 2004 macht der Ibbenbürener das schon so. Pro Jahr gibt es einen Tausch. Dafür fliegt er auch jedes Jahr in die USA. Und sei es nur, um sich ein bisschen umzusehen.

Jeden Wagen, der in seiner Garage einmal Platz findet, möbelt der Mann mit dem Auto-Tick auf. Um Technisches kümmert er sich nicht. Das macht ein Fachmann. Design, Farben, Lack - das ist sein Ding. „Ich stehe auf den Style der frühen 1960er- Jahre, auf diese Paint-Jobs mit Schuppen- und Blumenmuster.“ Lübke verändert die Autos so, wie es ihm gefällt. Weg vom Original hin zum individuellen Stil. In der Fachsprache heißt das Customizing.

Ganz frei ist Lübke dabei aber nicht. Seine Devise lautet: wenn etwas verändert wird, dann nur im Stil der Swinging Sixties. So sind die Felgen fünfspeichig und verchromt. Typisch für die Zeit. Außerdem ist der Wagen tiefer als normal, in Anlehnung an die frühen Lowrider, die „hüpfenden“ Autos.

Der Ibbenbürener liebt US-Straßenkreuzer aus den 30er- bis 60er-Jahren, die großen Schlitten mit dem tiefen Sound. Er mag Kalifornien, er mag den Lebensstil des „Golden State“ und das locker-lässige Cruisen über die Highways. Mehr als 9000 Kilometer ist dieses Lebensgefühl entfernt, deshalb holt er es sich nach Hause.

Als Nächstes wird der Familienvater und Chef eines kleinen Softwareunternehmens den Innenraum des Chryslers verändern. Die türkisfarbenen Polster sollen raus, weiße sollen rein. Die Türgriffe werden verschwinden: „Alles Unnötige muss weg.“ Türklinken sind unnötig? Für Arne Lübke schon: „Ohne sieht das Auto cleaner, schlanker aus. Die Türen kann man auch mit einer Fernbedienung öffnen.“

Vielleicht wird Arne Lübke seinen Chrysler nach der ganzen Arbeit wieder verkaufen, so wie die anderen Oldies zuvor. „Immer, wenn ich ein neues Auto entdecke und kaufe, dann will ich es eigentlich für immer behalten“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Aber daraus ist bislang noch nichts geworden.

Startseite