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Europa ohne Grenzen

Uwe Gebauer

Wer seinen Erdkundelehrer fragt, bekommt ungefähr folgende Antwort: „Ja, auch Kontinente bewegen sich. Aber ganz langsam, über Hunderttausende von Jahren.“ Wer viel reist, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: Zumindest Europa bewegt sich sehr schnell – es wächst zusammen.

Wo Reisende früher stundenlang an Grenzen standen und sich kontrollieren lassen mussten, fahren sie heute einfach weiter. Dass man dabei ins Ausland kommt, merkt man oft nur an Städtenamen in einer fremden Sprache und an anderen Straßenschildern.

Heute Morgen sind die Schlagbäume zu neun weiteren Staaten abmontiert worden: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien und der Inselstaat Malta. Insgesamt verzichten 24 europäische Länder untereinander auf Grenzkontrollen.

Sie alle zählen jetzt zum „Schengen-Raum“. Der heißt so, weil 1985 in dem kleinen luxemburgischen Nest Schengen das Abkommen unterzeichnet wurde, mit dem die ersten fünf Länder das grenzenlose Reisen vereinbarten. Die ersten Unterzeichner dieses „Schengener Abkommens“ waren Frankreich, Luxemburg, Belgien, die Niederlande und Deutschland.

Mittlerweile kann man vom Nordkap in Nordnorwegen bis Cabo de Sao Vicente im äußersten Südwesten Portugals und Europas reisen, ohne je an einer Grenze anzuhalten und seinen Ausweis vorzuzeigen. Es haben sogar Länder den Vertrag unterschrieben, die gar keine Landesgrenze zum übrigen Schengen-Gebiet haben: Nach Island, Griechenland und Malta kommt man aus den anderen Schengen-Ländern nur über den Seeweg.

Trotzdem ist das Europa ohne Grenzen kein Paradies für Schmuggler und andere Gauner. Entlang der Grenzen dürfen Polizei und Zoll in Stichproben kontrollieren. Das tun oft sogar Polizisten zweier Länder gemeinsam. Oder beispielsweise niederländische Polizisten auf deutschem Gebiet.

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