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Michael Kurk ist Pannenhelfer beim ADAC

Extraschicht zum Ferienende für die gelben Engel aus dem Münsterland

wn

Münsterland – Das Ferienende in Nordrhein-Westfalen steht vor der Tür. Und das bedeutet vor allem eines: Die Straßen im Münsterland werden in den kommenden Tagen wieder ordentlich voll. Für die Pannenhelfer vom ADAC ist das Grund genug, die Schichten doppelt zu besetzen. Einer der sogenannten gelben Engel ist Michael Kurk (45) aus Senden. Seit 14 Jahren ist er für den Automobilclub im Einsatz. Es ist 8 Uhr am Morgen. Michael Kurks Acht-Stunden-Schicht hat gerade erst begonnen, als auch schon der erste Auftrag reinkommt. Der Wagen einer Frau springe nicht mehr an, der Schlüssel drehe durch. So teilt es ihm das Informationsgerät des ADAC mit. Der Pannenhelfer nimmt per Knopfdruck auf dem Touchpad an, sofort berechnet das Navigationssystem den Weg zur Kundin. Der Wagen steht an der Warendorfer Straße in Münster. Michael Kurk biegt ab. In etwa 80 Prozent der Fälle werden die gelben Engel zu einem Einsatz in der Stadt oder in den umliegenden Ortschaften gerufen. „Autos bleiben nur noch selten auf der Autobahn liegen“, sagt Kurk. Stattdessen mache immer öfter die Elektrik der hochentwickelten Automobile schlapp. „Irgendwelche Lampen gehen an, und die Kunden sind verwirrt. Dann werden wir gerufen“, erklärt der Pannenhelfer. Die Frau an der Warendorfer Straßen hat kein Problem mit Lämpchen. Der Anlasser ihres Toyotas ist kaputt, der Wagen muss abgeschleppt werden. Sie nimmt es mit einem Lachen. Der ADAC sei ja nun da. Da könne ja nichts mehr schief gehen, behauptet sie. Michael Kurk wird meistens freundlich begrüßt. Warum auch nicht. „Ich bin schließlich auch nett“, sagt er. Besonders gern hat er die Holländer. „Wenn die mit ihrem Wohnwagen liegen bleiben, ist der Ersatzreifen schon raus geräumt und er Kaffee gekocht, wenn man ankommt“, sagt Kurk. Mit den Jahren hat er einen Unterschied in der Anspruchshaltung der Kunden festgestellt. Für jüngere ADAC-Mitglieder sei der Rund-um-die-Uhr-Service selbstverständlich. „Für ältere Leute hat der Sonntag noch eine ganz andere Bedeutung. Wenn man dann vorbei fährt, um zu helfen, freuen die sich richtig“, sagt Michael Kurk. Laut Arbeitsvertrag steht im ein freies Wochenende im Monat zur Verfügung. Für ältere Leute hat der Sonntag noch eine ganz andere Bedeutung. Den Schaden am Toyota an der Warendorfer Straße gibt der Pannenhelfer über das Einsatzgerät ein – für die Pannenstatistik. Sie dient zum einen den Herstellern, Fehler schneller zu erkennen. Zum anderen ist sie eine Arbeitskontrolle der einzelnen Mitarbeiter. „Wenn daraus ersichtlich wird, dass ich bestimmte Pannen nie behoben kriegen, könnte mich der Arbeitgeber gezielt nachschulen“, erklärt Michael Kurk. Der Sendener ist vom Fach. Seine Ausbildung zum KfZ-Mechaniker hat er in Münster gemacht und ist damit in die Fußstapfen von Vater und Großvater getreten. Etwas anderes hätte er nicht lernen wollen, schon als Kind war er in der Werkstatt mit dabei. Nach der Ausbildung hat er 16 Jahre in einer Werkstatt gearbeitet, dann musste ein Tapetenwechsel her. Seitdem ist er beim ADAC. Dann piept es, der Disponent gibt den nächsten Einsatz durch. Die Einsätze von bis zu 20 Fahrern pro Tag werden zentral von Dormagen aus geplant. Noch vor wenigen Jahren geschah das per Funk. „Da hat man von den anderen viel mehr mitgekriegt“, erinnert sich Kurk. Der Disponent schickt den gelben Engel ins Kreuzviertel. Der Golf einer jungen Frau braucht Starthilfe. Mit gewohnten Handgriffen zieht Kurk das Schubfach aus Hardplastik im Kofferraum heraus, greift zum Überbrückungskabel und bringt die Zangen an der Batterie an. Binnen Sekunden ist das Auto wieder fahrtüchtig. Erleichtert zückt die Frau ihre ADAC-Mitglieds-Karte. Dann wird es ruhiger. Michael Kurk fährt zur Raststätte Münsterland Ost, schnappt sich seine Fruchtbuttermilch aus dem Kühlschrank im Auto und wartet. Während die meisten, die hier anhalten, vielleicht alle fünf Jahre auf den Weg in den Urlaub oder nach Hause einmal vorbeischauen, sind das Restaurant und die Tankstelle für den Pannenhelfer ein zweites Zuhause. Kassierer Jürgen schlendert vorbei hält für einen kurzen Plausch am Wagen an. Im Winter sind wir alle an unsere Grenzen gegangen. Inzwischen ist es zehn Uhr. Seit Mitternacht wurden die gelben Engel in ganz NRW zu 746 Einsätzen gerufen. Fünfzig Minuten später sind es schon 1001. Im vergangenen schweren Winter waren es bis zu 12.000. „Da sind wir alle an unsere Grenzen gegangen. Vor allem körperlich“, sagt Kurk. Trotz der Strapazen ist Michael Kurk gerne ein gelber Engel, fühlt sich mit seinem Arbeitgeber verbunden. Seine Tochter und seinen Sohn hat er direkt nach der Geburt beim ADAC angemeldet. Und wieder piept das Gerät. Die nächste Tour geht nach Dülmen, dann nach Appelhülsen, schließlich wieder nach Münster. Erst springt der Motor nicht an, dann ist die Batterie kaputt. Acht Einsätze schafft ein Engel im Durchschnitt am Tag. „Dabei ist jeder Tag anders“, sagt Michael Kurk. „Pannen kann man nicht planen.“

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