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Gasbohrungen

Exxon verspricht Transparenz

Stefan Werding

Münster - Der Vorstandsvorsitzende von Exxon Mobil, Gernot Kalkoffen, kam gestern mit einem großen Versprechen zum Regionalrat nach Münster: „Unsere Pflicht und Verantwortung als Unternehmen ist es, zur Transparenz beizutragen“, sagte er. Und er versprach: „Wir machen nichts, von dem wir nicht überzeugt sind, dass wir es beherrschen.“

Darüber waren die Meinungen geteilt: Helmut Fehr von den Grünen rief den Exxon-Vertretern zu, sie seien „im Münsterland nicht willkommen“, Bernhard Daldrup (SPD) meinte angesichts der bekannt gewordenen Pläne, das Bergrecht zu novellieren: „Man kann mit einem unzeitgemäßen Recht keine rechtmäßige Entscheidungen treffen“. Eckart Ballen­thin (CDU) bedankte sich dagegen für die „aufschlussreichen“ Informationen.

Dabei haben die Experten, die der Regionalrat eingeladen hatte, nichts berichtet, was die Vertreter der Bürgerinitiativen nicht schon gewusst hätten. „Wir haben schon alles schon vier, fünf Mal gehört“, stellte Mathias Elshoff aus Nordwalde nachher fest. Immerhin freute er sich, dass Exxon offenbar eine Expertengruppe schaffen will, an der auch die Bürgerinitiativen beteiligt werden sollen. Und Stefan Henrichs aus Drensteinfurt wertet die „vielen kritischen Fragen“ auch als Erfolg der von ihm gegründeten Initiative. „Das ist ein Teilerfolg“, urteilte er.

Tatsächlich diente die Sondersitzung des Regionalrats am Mittwoch nicht dem Erkenntnisgewinn der Gegner, sondern der Politiker. Der Vorsitzende Engelbert Rauen etwa hat sowohl Verständnis für Exxon, nach Gas bohren zu wollen, aber auch für die Sorgen vieler Menschen etwa um ihr Grundwasser. So hoffte er auf die Gelegenheit, dass er und seine Kollegen umfassend informiert werden.

Denen versprach Firmensprecher Norbert Stahlhut, „nach Lösungen zu suchen, wie unter Berücksichtigung aller Interessen des Grundwasserschutzes und des Schutzes des Landschaftsbildes“ die Pläne seines Arbeitgebers umgesetzt werden können. Auch werde das Unternehmen komplett offenlegen, welche Stoffe für Bohrungen und ein späteres mögliches Frac-Verfahren in den Boden gepresst werden.

Das ist überraschend, weil die Sprecher von Exxon Mobil bislang auf Anfragen unserer Zeitung so gut wie gar nicht reagieren. Schriftliche Fragen zu dem unterbrochenen, umstrittenen „Frac­Verfahren“ etwa im ostwestfälischen Stemwede- Oppenwehe bleiben unbeantwortet, genauso wie mehrmalige Anrufe. Ob Quecksilberbelastungen bei Gasbohrungen im Kreis Rotenburg der Grund dafür sind, dass Exxon die Baustelle in Oppenwehe stilllegte, sagten sie nicht. Dass dort nicht mehr gearbeitet wird, hat der Bürgermeister Gerd Rybak gegenüber unserer Zeitung aber bestätigt.

Am schärfsten kritisierte das beratende Ratsmitglied Michael Harengerd von der Biologische Station Rieselfelder in Münster die Veranstaltung. Schließlich hätten die Experten nur eine Seite vertreten. Sprecher etwa von Gelsenwasser, die sich in der Vergangenheit als Gegner der Erdgassuche entpuppt hatten, würden dagegen fehlen. Damit sprach er den Gegnern am meisten aus der Seele.

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