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Filmrezensionen

Fair Game: Zum Freiwild erklärt

Hans Gerhold

Die Lüge von Massenvernichtungswaffen und dem Nuklearwaffenprogramm Saddam Husseins, die 2003 zum Irakkrieg führte, bildet den historischen Hintergrund des Politthrillers „Fair Game“, der auf dem authentischen Schicksal eines zum „Freiwild“ (so der Originaltitel in einer seiner Bedeutungen) erklärten Ehepaares basiert, das unter dem Druck von Regierung, Geheimdienst, FBI und Medien beinahe seine Existenz ruinierte.

Seit 1985 als verdeckte Ermittlerin des CIA im Nahen Osten tätig, wird Valerie Plame (Naomi Watts) angehalten, ihren Ehemann, den ehemaligen Botschafter in Niger, Joe Wilson (Sean Penn), wieder nach Afrika zu schicken, um einen möglichen Uranverkauf des Niger an den Irak zu untersuchen. Wilson findet nichts, aber sein Bericht wird von den Analysten der Firma benutzt, um die Kriegsvorbereitungen zu begründen.

Nach Kriegsbeginn geht Wilson mit der Offenlegung der Lüge an die Öffentlichkeit, steht aber angesichts der Hysterie ziemlich alleine da und wird als Vaterlandverräter gebrandmarkt. Es kommt noch schlimmer: Plame wird vom Außenministerium als CIA-Agentin enttarnt, entlassen und zum Abschuss freigegeben. Es braucht lange, bis sie sich aufrafft, ihrem Mann im Kampf beizustehen.

Zivilcourage, persönlicher Mut, Demokratieverständnis und Integrität stehen also zur Disposition in dem spannend erzählten und dramaturgisch geschickt vernetzten Thriller, der in der Tradition von Arbeiten wie Alan J. Pakulas „Zeuge einer Verschwörung“ und Costa-Gavras „Z“ steht. Regisseur Doug Liman, bekannt durch die Actionthriller „Die Bourne Identität“ und „Mr. und Mrs. Smith“, beherrscht auch die weniger hitzige Aktion routiniert und sorgt bei Plames Einsätzen in Jordanien und Kairo für entsprechende Handkamera-Nervösität.

Wichtiger ist die Entwicklung der Charaktere.Watts setzt als Plame, die nach Jahren immer noch stolz darauf ist, nie beim Training gebrochen worden zu sein, knallhart eine irakische Ärztin unter Druck, ihr Informationen zu geben und sieht zu, wie die Menschen, die ihr im Glauben auf Hilfe vertrauten, Opfer des Krieges werden. Ebenso überzeugend ist Penn, der als Ex-Botschafter durchs Feuer öffentlicher Anschuldigungen und Morddrohungen geht und sich den Glauben an die Macht der Wahrheit nicht nehmen lässt. In den besten Szenen kämpfen beide vehement um Ehe, Familie und Überleben. Gelegentlich stark auf die Botschaft von zivilen Helden konzentriert, ist „Fair Game“ intelligente Politunterhaltung.

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