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Falke in Lauerstellung

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Noch vor wenigen Monaten waren sich fast alle politischen Beobachter einigen, dass der Nominierungs-Parteitag der US-Republikaner einer Beerdigungsgesellschaft ähneln würde. Das Land zeigte sich fasziniert von einem jungen redegewandten Aufsteiger namens Barack Obama, während die „Grand Old Party“ verzweifelt nach einem neuen Idol suchte.

Der Abstand in den Umfragen war beträchtlich, die Stimmung in der unter einem unpopulären Präsidenten und ungeliebten Krieg leidenden Partei bedrückend. Doch nun haben die Republikaner durchaus eine ernsthafte Chance auf vier weitere Jahre im Weißen Haus. Sie verdanken dies einem Duo, das nicht ungleicher sein könnte: Dem Kriegsveteranen McCain und „Sarah Superstar“.

Profitiert haben Amerikas Konservative nicht nur von dem gefeierten Auftritt der fünffachen Mutter, die einer lethargischen Partei trotz klarer Zweifel an ihrer Qualifikation und Führungsstärke zumindest eine Infusion frischen Blutes gegeben hat. Auch die Rolle des alten Fuchses John McCain, hinter den sich nun auch die Erzkonservativen der Partei geschart haben, darf nicht unterschätzt werden.

Zum einen machte er seinem Ruf eines unbequemen Querdenkers mit der Vize-Auswahl alle Ehre. Zum anderen verkörpert er ebenso wie Barack Obama einen Politiker, der Wandel will – nur mit wesentlich mehr Erfahrung und auf ein rechtsliberales Fundament gestützt, das Wechselwähler ansprechen soll.

Der wohl größte Vorteil wird den Republikanern durch die aktuelle Sicherheitslage in der Welt beschert, die sich zugunsten von John McCain verändert hat. Die Truppenaufstockung im Irak hat Wirkung gezeigt, die Kaukasus-Krise den Wunsch nach einem starken, erfahrenen Mann geweckt.

Diese Figur verkörpert John McCain perfekt. Und er weiß genau, dass ihn das Volk als sicherere Wahl in gefährlichen Zeiten ansieht. Doch das könnte einer der größten Denkfehler sein, die Amerika derzeit begeht. Denn vieles spricht dafür, dass der Kriegsheld trotz seines „Wandel“-Mantras nicht das praktizieren wird, was man unter einer sicheren, abwägenden Außenpolitik versteht.

Seine Äußerungen zeigen, dass er bei notwendigen Entscheidungen eher seinem Instinkt und der Eingebung des Augenblicks folgen würde. Mit McCain liegt ein Falke in Lauerstellung.

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