1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. "Falsches" Ticket gelöst: 13-Jährige auf die Straße gesetzt

  6. >

"Falsches" Ticket gelöst: 13-Jährige auf die Straße gesetzt

Borghorst/Altenberge - So, wie sie es sonst auch macht. So hatte sich das Annik Grezszkowiak am 31. März vorgestellt. Einfach in den Bus steigen, ein Kinder-Ticket lösen - Annik ist 13 Jahre alt - und zurück von Borghorst nach Altenberge fahren...

Uwe Renners

Borghorst/Altenberge - So, wie sie es sonst auch macht. So hatte sich das Annik Grezszkowiak am 31. März vorgestellt. Einfach in den Bus steigen, ein Kinder-Ticket lösen - Annik ist 13 Jahre alt - und zurück von Borghorst nach Altenberge fahren. Dort wohnt Annik. In Borghorst hatte die Schülerin Freunde besucht. So, wie sie es schon oft getan hatte.

Doch an dem besagten Dienstag läuft es anders. Annik steigt in die Buslinie R73 ein und der Busfahrer gibt Gas. Während der Fahrt erklärt er ihr, dass er ihr nicht glaubt, dass sie erst 13 Jahre alt ist. „Er wollte, dass ich ein Erwachsenenticket löse und wurde voll unfreundlich“, erzählt die 13-Jährige, die ihren Schülerausweis nicht in der Tasche hatte. Sie hätte das Erwachsenenticket bezahlt, um nach Hause zu kommen, konnte es aber nicht: „Mir fehlten 50 Cent.“ Deshalb habe sie ihn darauf hingewiesen, dass sie ein Recht auf ein Kinderticket habe. „Da hat er angehalten und gesagt, ich solle sehen, dass ich rauskomme.“ Und da stand Annik nun auf der Altenberger Straße in Borghorst, es war gegen 19 Uhr und keine Bushaltestelle in Sicht. „Ich habe meine Eltern angerufen, die haben mich dann abgeholt“, erzählt sie. An die Öffentlichkeit wollte die Familie mit der Geschichte eigentlich nicht.

„Nachdem wir erst einige Tage überlegt haben, habe ich eine Beschwerde geschrieben“, erzählt Vater Ludger Grzeszkowiak. Die ging am 8. April bei Westfalenbus ein. Der zuständige Sachbearbeiter in der Abteilung „Beschwerdemanagement“ der Westfalen Bus GmbH bedauerte, dass man nicht mit dem Service zufrieden sei und berichtete, dass man den Fall recherchiere. Dies könne einige Tage in Anspruch nehmen. „Am 15. April habe ich mich noch mal gemeldet, da hieß es, der Sachbearbeiter sei für ein paar Tage im Urlaub“, erzählt der Vater. Ein paar Tage später war immer noch nichts passiert, Vater Ludger überlegt sich, die WN anzurufen, es wird ein Termin vereinbart, die Familie schildert den Vorfall, die WN haken bei Westfalenbus in Münster nach. Dort will man sich der Sache annehmen.

Dann geht alles schnell. Der Postbote bringt einen Brief des Busunternehmens. „Wir möchten uns ausdrücklich bei Ihnen und Ihrer Tochter entschuldigen. Als Reaktion auf den von Ihnen geschilderten Vorfall wurde der Fahrer der Linie R 73 in einem persönlichen Gespräch mit unserem Betriebsleiter eindeutig auf sein Fehlverhalten hingewiesen und entsprechend belehrt“, schreibt Westfalenbus. Man gehe davon aus, dass dem Busfahrer die Bedeutung seines Verhaltens vor Augen gehalten werden konnte und in Zukunft kein Anlass zu einer Beschwerde bestehe. „Als kleine Wiedergutmachung für die entstandenen Unannehmlichkeiten legen wir diesem Schreiben ein für das Gesamtnetz der VGM gültiges Fun-Ticket für den Monat Mai bei und würden uns freuen, ihre Tochter - trotz der leider negativen Erfahrung - wieder als zufriedenen Fahrgast in unseren Bussen begrüßen zu dürfen“, heißt es in dem Schreiben, mit dem die Familie Grezszkowiak trotz langer Wartezeit ganz gut leben kann.

Startseite