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Familie entführte die eigene Tochter

Martin Kalitschke

Münster - Ein spektakulärer Entführungsfall wird ab dem 11. November vor dem münsterischen Amtsgericht verhandelt. Drei türkischen Brüdern wird vorgeworfen, Anfang März die eigene Schwester gekidnappt und anschließend nach Italien verschleppt zu haben. Auf der Anklagebank wird auch die Mutter des Entführungsopfers sitzen.

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, nahm die Entführung am 5. März auf einem Autobahnrastplatz bei Münster ihren Anfang. Dort sei das 19-jährige Opfer aus seinem Pkw gezogen und am Hals gewürgt worden. Erst als sich die kurz vor der Bewusstlosigkeit stehende Frau nicht mehr wehrte, hätten die Angeklagten von ihr abgelassen.

Die Frau sei dann in ein weiteres Fahrzeug verschleppt worden, das sich umgehend auf den Weg in Richtung Italien machte. Im Hafen von Ancona, so der Plan von Brüdern und Mutter, sollte die 19-Jährige mit einer Fähre ins östliche Mittelmeer gebracht werden. Ziel der Entführung sei Syrien gewesen. „Dort sollte sie so lange bleiben, bis sie sich von ihrem deutschen Freund, mit dem ihre Familie nicht einverstanden war, lossagt“, berichtet eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

So weit kam es jedoch nicht. Nachdem die 19-Jährige auf einer Toilette im Hafen von Ancona mit einer Touristin Kontakt aufgenommen und sie über die Entführung informiert hatte, griff die Polizei ein. Sie befreite die Frau - und nahm die Täter fest.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat hieß es zunächst, dass die Frau im syrischen Kurdengebiet ermordet werden sollte. Dieser Verdacht erhärtete sich jedoch im Zuge der Vermittlungen nicht, stellt die Staatsanwaltschaft klar. Der Vorwurf gegen die drei Brüder sowie ihre Mutter lautet nun gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung sowie Freiheitsberaubung.

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