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Serie: Familie heute

Familien-Trubel XXL in Everswinkel

Julia Gottschick

Everswinkel - Als Mechthild Ot­tens und ihr Mann Andreas vor einem Jahr auf Silberhochzeitsreise gingen,„da hab ich vorher ein Buch geschrieben“, erzählt die 48-Jährige. Wer wann was in der Woche tut, wer wann wo zu welcher Uhrzeit hinmüsse - solche Dinge standen da drin.

Die Regie über die Kinderschar übernahm in dieser Zeit Steffi, mit ihren 23 Jahren die Älteste in der Runde. „Und das hat alles gut geklappt“, resümiert die Betriebswirtin in spe, „weil jeder seine Pflichten hatte“. Die älteren Jungs übernahmen Fahrdienste, die Mädels passten auf die Kinder auf. Und alle zusammen stemmten das Kochen und Putzen.

Eines von zehn Kindern zu sein, das ist für Steffi ganz normal. „Ich brauchte nie mit Puppen spielen, ich hatte immer richtige Babys in der Familie“, sagt die junge Frau. Die Babys sind inzwischen groß, sogar Nesthäkchen Leonie kommt mit ihren fünf Jahren in die Schule.

Für Mama Mechthild hat das einen Vorteil: „Die Zeit zum Wäsche-Falten hatte ich früher nicht“, lacht sie. Aber auch heute noch wäscht die Wahl-Everswinkelerin zwei bis drei Maschinen am Tag. Ein eigener Wäsche-Raum kündet von den Mengen, die regelmäßig anfallen.

Donnerstag und Freitag ist Großeinkau angesagt. Ansonsten aber ist alles wie bei anderen Familien auch. „Unsere Töpfe sind nicht größer als woanders, die Kleinen essen ja nicht viel - und die Großen essen permanent, aber nur kleine Portionen.“

Familie XXL: Dass sie etwas Besonderes sind, merken die Ottens an der Neugier derer, die keiner Großfamilie angehören. „Wie groß ist euer Garten, wie viele Zimmer hat euer Haus?“, zählt der neunjährige Lars Fragen auf, mit denen er häufig konfrontiert wird. „Mir hat ein Lehrer sogar mal gesagt: Mehr als vier Kinder sei asozial“, schüttelt Steffi den Kopf.

Für die Ottens bedeutet Großfamilie schlicht Geborgenheit, die Everswinkeler genießen das Gefühl, immer mit mehreren um einen Tisch zu sitzen - und trotzdem die Möglichkeit zu haben, auch mal für sich allein zu sein. „Uns war wichtig, „dass jedes Schulkind sein ei­genes Zimmer hat“, betont Mechthild Ottens.

So sei das Haus - das eigentlich für fünf Kinder gedacht war - Stück für Stück gewachsen. „Wir haben ständig neue Wände hochgezogen, an- und umgebaut.“ Rund 140 Kilometer, so schätzt die Powerfrau, fährt sie am Nachmittag ihren Nachwuchs quer durchs Münsterland.

Schwimmen, Fußball, Volleyball: Ihre Kinder sind sportbegeistert und talentiert. „Ich wünsche mir ein Wohnmobil, da kann ich zwischendurch mal ein Nickerchen machen oder einen Kaffee trinken“, scherzt sie.

Die Pflichten, sie halten die Familienmutter auf Trab, zumal ihr Mann - ein Chemiker - in der Woche beruflich unterwegs ist. „Aber abends, so gegen halb zehn, wenn die Kleineren im Bett sind, dann trudeln die Älteren zu einer kleinen Spätmahlzeit in der Küche ein“, plaudert sie ein wenig aus dem Alltag. Dann kehre Ruhe ein, dann sei Gelegenheit, mal etwas intensiver zu quatschen.

Kraft und Rückhalt - das ist auch, was Steffi aus ihrer Familie zieht. „Die ist einfach immer präsent, die hat für mich einen Riesen-Stellenwert“, verrät die 23-Jährige. Entsprechend groß sei für sie immer die Euphorie, aus Münster, von ihrer Arbeitsstelle und ihrem Studienort, nach Hause zu kommen.

Selbst, wenn sie nur mal zwei Wochen nicht da war, „dann ist schon wieder ein Zahn ausgefallen, ist schon wieder irgendwer ein paar Zentimeter gewachsen. Ständig passiert was Neues, dauernd verpasst man was..“

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