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INTERVIEW

Faszination Feuerwehr ungebrochen

Christian Wolff

Ahlen - Am 9. April 1975 wurde die Jugendfeuerwehr Ahlen gegründet. 35 Jahre später - ganz genau 12 784 Tage nach dem ersten Dienst der Nachwuchsbrandbekämpfer - trafen sich Manfred Alten, Raphael Beckstedde und Ralf Marciniak sowie Erwin Kinder als „Männer der ersten Stunde“ mit den heutigen Leitungskräften Christoph und Susanne Faust sowie Nadine Helbeck. „AZ“-Redakteur Christian Wolff hat sich mit ihnen unterhalten.

Wann und wie begann die Geschichte der Ahlener Jugendfeuerwehr?

Ralf Marciniak: Im September 1974 hat mir der damalige Wehrführer Herbert Faust mitgeteilt, dass bis April 75 eine Jugendfeuerwehr auf die Beine gestellt werden soll. Er folgte damit dem Vorbild anderer Gemeinden. Allerdings: Bei uns im Kreis gab es damals noch nichts Derartiges. Ich glaube, wir gehörten hier zu den allerersten Jugendfeuerwehren.

Wie haben Sie diesen „Sprung ins kalte Wasser“ erlebt?

Manfred Alten: Das war für uns ein echtes Abenteuer. Wir hatten ja mit Jugendarbeit keinerlei Erfahrungen, waren noch nicht mal selbst Väter. Aber ich würde heute sagen, es war eine sehr weitsichtige Entscheidung.

Wie alt waren die Jugendlichen damals?

Ralf Marciniak: Wir haben mit 14- bis 16-Jährigen angefangen, sind dann aber auf zwölf heruntergegangen, weil das einfach effektiver war.

Mit welcher Motivation sind die jungen Leute damals in die Feuerwehr eingetreten?

Manfred Alten: Bei denjenigen, die bei uns mitmachten, stand der Feuerwehr-Gedanke vom Retten und Helfen ganz vorne. Das Größte war es sicher für die meisten, auf einem echten roten Feuerwehr-Fahrzeug mitzufahren. Wir haben jetzt beim Florianstag zehn Kameraden, die für 35-jährige Mitgliedschaft geehrt werden. Das zeigt doch, wie groß die Verbundenheit geworden ist und welcher Stolz dahintersteckt. Allein die Tatsache, dass die Jugendfeuerwehr bis heute existiert, beweist den Erfolg.

Gab es damals schon so etwas wie eine Ausbildung für Betreuer?

Ralf Marciniak: Nein. Aber wir wurden sehr gut unterstützt durch die Hauptwache an der Sedanstraße, durch Dieter Grote und Alfred Strickmann. Wenn wir etwas brauchten, mussten wir es nur sagen.

Raphael Beckstedde: Wir brauchten damals auch noch häufig Fahrer.

Und wie ist die Betreuung heute geregelt?

Erwin Kinder: Auf neun Jugendfeuerwehrleute soll ein ausgebildeter Betreuer kommen.

Wie war anfangs die Akzeptanz bei den „großen“ Feuerwehrmännern?

Ralf Marciniak: Die Akzeptanz wurde größer, als die Einbindung besser wurde. Wir haben irgendwann mitgeholfen bei Festen wie Weihnachtsfeiern, haben Kakao gekocht und solche Dinge. Da haben die gesehen, dass wir nicht die kleinen „laufenden Hydranten“ sind.

Hat sich die Motivation, bei der Jugendfeuerwehr mitzumachen, geändert?

Christoph Faust: Es ist sicherlich heute schwieriger, die Jugend zu begeistern. Es gibt eine völlig andere Freizeitgestaltung durch Internet, Computer und andere Veranstaltungen. Da ist es für viele nicht so einfach, „bei der Stange“ zu bleiben. Aber wir haben festgestellt: Wer mehr als zwei Jahre schafft, bleibt auch dabei. Und viele sind familiär „vorbelastet“, weil oft schon Väter oder Großväter in der Feuerwehr aktiv waren.

Manfred Alten: Die Feuerwehr hat nichts von ihrer Faszination verloren. Es ist zwar eine lange Zeit zwischen zwölf und 18 Jahren mit viel Ausbildung, aber wenn die Kameraden dann ihren ersten Funkalarmempfänger bekommen, ist das ein wichtiges Ereignis: Sie merken, dass sie gebraucht werden.

Wie wird das 35-jährige Bestehen gefeiert?

Christoph Faust: Am 18. September gibt es wieder einen „Tag der offenen Tür“ an der Hauptwache, bei dem die Jugendfeuerwehr den Schwerpunkt bilden soll. Vielleicht können wir damit weitere junge Leute für die Feuerwehr begeistern.

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