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Felix Genn über Piusbruderschaft: "Affäre nicht erledigt"

Johannes Loy

Münster. Für den designierten Bischof von Münster, Felix Genn (58), ist die Affäre um den Vatikan und die Traditionalisten der Piusbruderschaft noch „nicht erledigt“. Dafür habe das Ganze „zu viele Dimensionen“.

Abseits des Konflikts habe die Affäre aber immerhin bewirkt, dass man jetzt mehr über diese Bruderschaft wisse: „Jetzt gehören sie dazu, jetzt kann man ihnen auf die Finger schauen“, sagte Genn gestern bei einer ersten großen Medienrunde in Münster. Am 29. März wird Genn im münsterischen Paulus-Dom in sein neues Amt eingeführt.

Genn räumte ein, dass das, was er bislang von der Piusbruderschaft gehört und gelesen habe, „horrend“ sei. Am Ende der aktuellen Auseinandersetzung könne also durchaus die endgültige Abgrenzung stehen: „Möglich, dass die katholische Kirche dann sagt: Jetzt ist Schluss. Wir sind hier und ihr bleibt da.“

Der bisherige Bischof von Essen, der am 20. März im Essener Dom verabschiedet wird und am 28. März auf dem Weg nach Münster den Sterbeort des hl. Liudger in Billerbeck aufsuchen möchte, nannte die Intervention von Bundeskanzlerin Angela Merkel „unangemessen“; denn Papst Benedikt XVI. habe sich bereits zuvor ausreichend erklärt und auch viele Akzente im christlich-jüdischen Dialog gesetzt.

Den Papst mit Antisemitismus in Verbindung zu bringen, sei absurd, sagte Genn sinngemäß. Die Verantwortung für den Skandal liege in der schlechten Kommunikation an der Kurie. Dort gebe es sicher einiges nachzuarbeiten. Davon einmal abgesehen: Ein Holocaust-Leugner wie Williamson könne nicht ernsthaft glauben, Bischof in der katholischen Kirche werden zu können. „Nicht mal am äußersten Zipfel von Feuerland“, so Genn.

Bislang hatte Genn nach eigenem Bekunden noch gar keine Zeit, sich tiefere Gedanken über seinen Wechsel zu machen, da in Essen noch so viel zu tun sei. Die Vorfreude auf Münster aber scheint bei dem lebensfrohen Rheinländer trotz der Abschiedswehmut von Tag zu Tag zuzunehmen. „Ich habe das Gefühl, das kann hier gut gehen im Bistum Münster, weil ich die herzliche Anteilnahme der Menschen spüre.“

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