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Handarbeit

Filzkurse im Kulturlandhaus Schale erfreuen sich großer Beliebtheit

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<1>Schale. „Am Anfang war das Schaf“: Es bescherte den Menschen etwas sehr Wertvolles, seinen Wollpelz. Die Verwendung von Schafwolle für Textilien ist schon seit der Jungsteinzeit in Europa nachweisbar, vermutlich wurde sie um 5000 vor Christus verwendet. Kreative – meist weibliche – Köpfe haben neben Spinn- und Webtechniken eine weitere Möglichkeit entwickelt, schöne Dinge aus Schafwolle zu produzieren: das Filzen. Dabei gibt es zwei Arten, um Wolle gezielt zu verfilzen: das Nass- und das Trockenfilzen. An diesem Wochenende hatten sich mehr als 20 Frauen aus der näheren und weiteren Umgebung zu einem Kursus im Kulturlandhaus Schale angemeldet, um bei Christiane Jürgens aus Emsdetten das Nassfilzen und bei Monika Keyser aus Schale das Trockenfilzen zu erlernen. Mit dabei war, wie eigentlich immer, wenn gefilzt wird, Hans-Hermann Keyser, der Mann, der die Kardiermaschine bedient. Das Kardieren ist ebenfalls ein altes Handwerk, bei dem die lose Schafwolle gekämmt wird und die Fasern zu einem Flor oder Vlies verarbeitet werden. Dies ist dann der Grundstoff für das Filzen. Wahlweise kann die verflieste Wolle vorher noch gefärbt werden. Die Rohwolle selbst liefern die hauseigenen Schafe der Hofbesitzer Ewald Musekamp und Marlies Rethmann-Musekamp. Die Nassfilzerinnen zogen sich in die Werkstatt zurück, wo es schon nach Seife duftete, die Trockenfilzerinnen nahmen in der warmen Wollstube Platz. Derweil Monika Keyser dort Trockenfilzen mit speziellen Filznadeln erläutert, geht es beim Nassfilzen richtig wässrig zu. Als Unterlage verwenden die Frauen daher Gummimatten. Zu den Teilnehmerinnen zählt unter anderem eine Gruppe Erzieherinnen aus Steinfurt, die ihre Erfahrungen an die Kinder weitergeben wollen. Aber einige nehmen auch nur aus Spaß teil, Frauen, die ihre Fertigkeiten perfektionieren wollen. Wie Marion Spinneker aus Obersteinbeck. Sie war mit Tochter Tessa (8) zum Kursus gekommen. Nassfilzen, erläuterte Christiane Jürgens, funktioniert durch Wasser, Wärme und Bewegung. Hinzu kommt Seife, wodurch die Wollfasern aufquellen und sich die oberste Schuppenschicht der Wolle abspreizt. Durch die ständige Bewegung wird eine enge Verbindung der Schuppen erreicht, sodass allmählich ein fester Stoff entsteht. Dabei wird die Wolle in kleine Stücke gezupft und in mehreren kreuzweise übereinander liegenden Lagen ausgelegt. Erst wenn die Frauen alles ordentlich ausgelegt haben, kommt Bewegung ins Spiel und behutsam lassen sie ihre Hände über die Wollflächen gleiten. Dabei kommt, wie auch beim Trockenfilzen, farbige Wolle zum Einsatz und schon bald sind die ersten, noch triefenden Wollblüten entstanden. Staunen und Freude über das Erreichte sind den Frauen anzusehen.

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