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Staffordshire-Terrier "abgegeben"

Fionas dreiste Abschiebung

Martina Döbbe

Münster - Die Frau an der Haltestelle wartet auf den Bus. Doch als der an der Martin-Niemöller-Straße anrollt, muss sie ihn weiterfahren lassen. Stattdessen hält sie eine Leine in der Hand, am anderen Ende ein fremder Vierbeiner. „Können Sie sie mal kurz halten? Ich komme sofort wieder“, hatte die unbekannte Frau im Jogging-Anzug gesagt - und weg war sie. Und: Sie kommt auch nicht wieder. Was tun? Die Polizei wird informiert, die Hündin ins Tierheim gebracht.

Und da wohnt sie heute noch - und hofft auf ein neues Körbchen. Das wird nicht ganz einfach - denn Fiona ist ein Staffordshire-Terrier, ein „Paragraf-drei-Hund“, wie Daniela Strickmann sagt. Was bedeutet: Sie gehört laut Landeshundegesetz aufgrund ihrer Rasse auf die Liste „Gefährliche Hunde“. „Da gelten Maulkorb- und Leinenpflicht“, erläutert die stellvertretende Leiterin des Tierheims. Wobei die Expertin überzeugt ist, dass Fiona nach einem entsprechenden Test mit ziemlicher Sicherheit von der Maulkorbpflicht befreit werden könne. Sie sei „ein netter Hund, freundlich, verspielt, aber auch stürmisch und temperamentvoll“.

Immerhin ist Fiona nun schon seit acht Wochen an der Dingstiege zu Hause - da haben sich Hund und Tierheim-Mitarbeiter schon gut kennengelernt. Die stellvertretende Tierheimleiterin hat schon einiges erlebt, wenn es um Tiere geht, die ausgesetzt, abgeschoben und aufgefunden wurden. „So dreist“ habe sich allerdings selten jemand gezeigt.

Nachforschungen haben ergeben - Fiona ist gechipt -, dass sie bei einer Familie in Rheinberg war, die sie aufgrund der gesetzlichen Bedingungen aber nicht halten durfte. Das Ordnungsamt brachte sie im dortigen Tierheim unter - aus dem ist sie dann offensichtlich gestohlen worden. Wie sie nach Münster gekommen ist - keiner weiß es. Die Staffordshire-Hündin mit dem wachen Blick hat das alles jedenfalls ohne Murren und Knurren hingenommen: „Verträglich, in keiner Weise aggressiv“, sagt Daniela Strickmann über Fiona.

Wer Fiona ein neues Zuhause geben möchte, der benötigt aber auch eine Haltergenehmigung vom Ordnungsamt und muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Er braucht eine schriftliche Erlaubnis seines Vermieters und muss nachweisen, dass Wohnung, Haus und Garten so gesichert sind, dass ein „Paragraf-drei-Hund“ nicht einfach ausbüxen kann.

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