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Firmen verlieren ihre Zuversicht

Jürgen Stilling

Münster - Im Münsterland wächst der Konjunkturpessimismus: Nur noch 32 Prozent der mittelständischen Unternehmen der Region erwarten für die kommenden sechs Monaten eine positive Wirtschaftsentwicklung, nachdem vor einem halben Jahr noch jeder zweite Betrieb positiv gestimmt war.

Das hat das von den Westfälischen Nachrichten gemeinsam mit dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) erstellte Konjunkturbarometer ergeben. Durchgeführt wurde die Befragung von der Krämer Marktforschung aus Münster.

Einen Konjunkturabschwung erwarten für die Region inzwischen 24 Prozent der befragten Geschäftsführer und Unternehmer. Ein dramatischer Anstieg der Negativmeldungen, denn im Winter waren lediglich sieben Prozent der Betriebe skeptisch gestimmt.

Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern macht den mittelständischen Firmen in Münsterland immer mehr Probleme. Während vor sechs Monaten noch über die Hälfte der Befragten (52,5 Prozent) angaben, keine Probleme bei der Mitarbeitersuche zu haben, sank dieser Anteil in zwischen auf 36 Prozent.

„Jetzt müssen die Unternehmen dafür Sorge tragen, dass sie auch künftig gute Mitarbeiter haben“, betonte Bernd Adamaschek, Geschäftsführer des BVMW Münsterland. Die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten dürfe deshalb auch bei schwächerer Konjunktur nicht vernachlässigt werden, so Adamaschek.

Probleme machen der Mehrzahl der münsterländischen Unternehmen die drastisch gestiegenen Energiepreise. Zwei Drittel der Interviewten sehen dadurch starke Auswirkungen auf ihr wirtschaftliches Handeln, 28 Prozent spüren zumindest geringe Nachteile. Lediglich vier Prozent der Betriebe fühlen sich von der Energiepreisentwicklung nicht betroffen.

Neben Konjunktur- und Energiepreissorgen plagt die Unternehmen der zunehmende Konkurrenzdruck. 54 Prozent der Mittelständler spüren inzwischen eine harte Konkurrenz (Dezember: 50 Prozent). Immer mehr Firmenverantwortliche sehen Auswirkungen der Globalisierung auf ihr Unternehmen. Zwei Drittel der Betroffenen geben allerdings an, dass sie von dieser Entwicklung profitieren, während nur ein Drittel darin Nachteile erkennt. „Und der Anteil der Unternehmen, die von der Globalisierung profitieren, wird weiter wachsen“, ist sich Adamaschek sicher.

Der von der großen Koalition in Berlin angekündigte Bürokratieabbau trägt bisher kaum Früchte. Lediglich sechs Prozent der münsterländischen Firmen haben eine minimale Entlastung festgestellt. Allerdings beklagen inzwischen 35 (zuvor: 21,5) Prozent der Unternehmen, dass der Firmenalltag durch bürokratische Hemmnisse und Vorschriften immer stärker belastet wird.

Dennoch steht der Bürokratieabbau auf der Wunschliste der münsterländischen mittelständischen Betriebe nur auf Rang zwei (79,5 Prozent). Größtes Manko sind aus Sicht der Unternehmen die zu hohen Lohnnebenkosten. 83,5 Prozent der Befragten nennen diese Abgaben als eines ihrer Hauptprobleme. 78 Prozent beklagen zusätzlich die zu hohe Steuerlast. Schwierig bleibt für die Firmen auch die Beschaffung von Krediten. Fast 30 Prozent berichten von Problemen mit ihrer Bank.

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