1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Fischers gute Wünsche für Westerwelle

  6. >

Politik Inland

Fischers gute Wünsche für Westerwelle

dpa- Korrespondentin Dorothea Hülsmeier

Düsseldorf - Für den neuen Außenminister Guido Westerwelle hat dessen Vor-Vorgänger Joschka Fischer einen Ratschlag: Deutsche Außenpolitik habe zwar parteipolitische Akzente, sagt der frühere Grünen-Spitzenmann. Aber letztlich sei sie weder grün noch liberal noch schwarz noch rot. „Der Bundesaußenminister vertritt uns alle“, sagt Fischer. „Insofern ist ihm wirklich eine glückliche Hand zu wünschen.“ Fischer weiß, wovon er spricht. Auch er war einmal Novize der Diplomatie, und viele hatten zunächst die Befürchtung, er werde „grüne Außenpolitik“ betreiben - was er nie tat.

Fischer, Außenminister von 1998 bis 2005, hat die Seiten inzwischen gewechselt. Heute berät er die Großunternehmen BMW und Siemens in Nachhaltigkeitsstrategien und ist auch für das asiatisch-europäische Gas-Pipeline-Projekt „Nabucco“ tätig, an dem der Konzern RWE beteiligt ist. Aus dem ehemaligen Straßenkämpfer, Grünen-Frontmann und Außenminister ist ein Unternehmer mit eigener Beratungsfirma in Berlin geworden. „Das ist eine neue Erfahrung für mich“, sagt er. In seiner neuen Rolle appelliert Fischer nun an die deutsche Wirtschaft, mit „gnadenlosem Realismus“ auf umweltfreundliche Technologien zu setzen, um auf den Weltmärkten nicht abgehängt zu werden. „Nicht jammern, sondern Ärmel hochkrempeln“.

Ein Widerspruch zu seiner bisherigen Vita ist der neue Job im Business für den 61-Jährigen nicht. Fischer, der als Politiker Fragen gern mal unwirsch abgebügelt hat, erklärt sich: „Ich mag Grenzüberschreitungen, ich geb es zu.“

Dass er als Vertreter einer Partei, deren Wurzeln in der Anti-Atom-Bewegung liegen, heute für Unternehmen wie Siemens und RWE arbeitet, ist für Fischer ebenfalls kein Problem. Anders als Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der unmittelbar nach dem Ende seiner politischen Karriere in eine Spitzenposition beim Ostseepipeline-Projekt Nord Stream einstieg, wurde Fischer für seinen Schritt kaum kritisiert. Dass er im Gegensatz zu Schröder eine Schamfrist habe verstreichen lassen, weist er zurück. „Ich schäme mich nicht, deswegen gibt es auch keine Schamfrist.“

Startseite