1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Flüchtlinge in der Botschaft dürfen ausreisen

  6. >

So berichteten wir am 3. November 1989

Flüchtlinge in der Botschaft dürfen ausreisen

wn

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Unser Redaktionsmitglied Bernd Haunfelder hat zurückgeblättert und zusammengetragen, wie unsere Zeitung damals über die Ereignisse berichtet hat.

Alle DDR-Flüchtlinge, die im Zuge einer zweiten Flüchtlingswelle in der bundesdeutschen Botschaft in Prag Zuflucht gesucht hatten, durften auf direktem Weg in die Bundesrepublik ausreisen. Mit dieser überraschenden Entscheidung bot die DDR-Regierung eine rasche und unbürokratische Lösung der sich erneut dramatisch zuspitzenden Situation in Prag an.

Im Zuge der neuen Flüchtlingswelle hatten mittlerweile erneut fast 5000 Menschen in der Mission Zuflucht gesucht. Ein Ende der Kapazität der Botschaft war bereits absehbar. Die ersten Züge mit Botschaftsflüchtlingen sollten heute Prag verlassen. Die bayerische Grenzpolizei rechnete damals mit etwa 6000 Menschen.

Den ganzen Tag über hatte sich Bonn um eine Lösung des sich anbahnenden neuen Flüchtlingsdramas bemüht. Zu dem gefundenen Ausweg beigetragen haben offenbar Kanzleramtsminister Seiters sowie Bundesaußenminister Genscher. Bundeskanzler Kohl, der die Lösung begrüßte, habe in den Abendstunden in Kontakt mit Seiters und Genscher gestanden, so Regierungssprecher Klein weiter. Diese hätten sich „über Ost-Berlin und Prag um einen Ausweg aus der für die betroffenen Menschen immer unerträglicher werdenden Lage bemüht“.

Nach der Aufhebung der Visumpflicht für Reisen in die CSSR waren Tausende von DDR-Bürgern in die Tschechoslowakei aufgebrochen. Viele von ihnen suchten die Bonner Vertretung auf, um so in den Westen auszureisen. Daher waren die Zustände in der völlig überfüllten Botschaft katastrophal. Es zeichnete sich ab, dass bald weitere Neuankömmlinge vor der Botschaft ausharren mussten. Dennoch lehnte die CSSR zunächst jede humanitäre Hilfe ab.

Startseite