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FMO: Laser-Attacken auf Piloten

Elmar Ries

Greven/Dortmund/Hamm - Ein Flugzeug in der Nacht. Urplötzlich trifft das Auge des Piloten ein greller Laserblitz. Für Minuten kann er nicht mehr sehen, der Co-Pilot muss die Landung übernehmen.

In Köln/Bonn ist es bereits passiert, des Weiteren in Düsseldorf, am Flughafen Weeze, in Dortmund, Hamm - und im Landeanflug auf den Flughafen Münster-Osnabrück. Das geht aus einem vertraulichen Dossier des Bundeskriminalamts hervor, das für NRW insgesamt 20 Fälle auflistet.

Am 20. September war es eine Maschine der Cirrus-Airlines, die sich im Landeanflug auf den FMO über Beckum befand. Unbekannte Täter griffen den Piloten mit einem Laserpointer an. Das haben gestern der Flughafen und die Bezirksregierung Münster bestätigt. Laut FMO-Sprecherin Silvia Rose-Becker habe die Airline „den Vorfall alleine geregelt“. Der Flughafen selbst erfuhr davon erst aus einem Bericht der Deutschen Flugsicherung, die Bezirksregierung „über die Polizeischiene“, sagte Behördensprecherin Si­g­­run Rittrich.

Wie aus dem Dossier des BKA weiter hervorgeht und vom Flughafen Dortmund bestätigt wurde, hat sich am 27. August dieses Jahres ein ähnlicher Fall am Dortmunder Flughafen ereignet. Betroffen war der Pilot einer German- Wings-Maschine im Landeanflug, der von einem Laserpointer geblendet wurde. Auch in Hamm hat es zwei Zwischenfälle gegeben: Dort wurden am 1. Juni und am 7. August die Piloten eines auf dem dortigen Flugplatz stationierten Polizeihubschraubers per Laser angegriffen. Laut BKA-Bericht habe ein „Pilot über eine Beeinträchtigung des Augenlichts“ geklagt. Einer der Täter konnte gefasst werden. Die Deutsche Flugsicherung in Düsseldorf mochte gestern die Vorfälle „weder bestätigen noch dementieren“, wie Sprecher Michael Fuhrmann auf Nachfrage unserer Zeitung sagte. Er wisse nur, dass der Trend vor etwa zwei Jahren aus den USA und Australien auf den europäischen Luftraum hinübergeschwappt sei - und sich nun auch in NRW zeige. Offenbar sei den meist jugendlichen Tätern die Konsequenz ihres Handelns nicht bewusst. Oder das Strafmaß, das auf einen solch gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr steht: bis zu zehn Jahre Haft. „Ja, das Phänomen existiert und hat für großen Aufruhr gesorgt“, so Gerhard Salmen vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden, das alle bundesweiten Informationen sammelt. Piloten, so Salmen, seien im Landeanflug meist auf sich selbst gestellt, könnten auf keinen Autopiloten zurückgreifen und „müssten die Landung händisch vornehmen“. Entsprechend gefährlich sei es, wenn ein Pilot außer Gefecht gesetzt werde.

Jan Krawitz, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, sieht das Thema „unverändert kritisch“. Auch wenn ihm keine Fallstatistiken vorlägen, „haben wir doch einen Anstieg der Vorfälle über das Jahr hinweg beobachtet“. Deswegen wolle man das Thema nicht weiter anheizen. Piloten meldeten Vorfälle dieser Art meist zunächst den Fluglotsen, diese schalten dann die Polizei ein.

Blendversuche per Laserpointer, da sind sich die Experten einig, sind alles andere als ein Dummejungenstreich. Das betonte auch Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung. Vielmehr seien sie vergleichbar „mit den Stei­newürfen von Brücken“. Im Fall des FMO sind die Täter nie gefasst worden.

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