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WN-Krimi Greven

Folge 11: Karl vermisst Käthe

Karl Bulle öffnete die Tür zur Wache und erlebte ein Chaos. Karl Koller war außer sich und von den zwei Polizisten kaum zu bändigen. „Wo ist meine Frau?“ schrie er hysterisch. „Die ist seit zwei Tagen weg und ich habe kein Lebenszeichen von ihr...

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Karl Bulle öffnete die Tür zur Wache und erlebte ein Chaos. Karl Koller war außer sich und von den zwei Polizisten kaum zu bändigen. „Wo ist meine Frau?“ schrie er hysterisch. „Die ist seit zwei Tagen weg und ich habe kein Lebenszeichen von ihr. Erst dachte ich, sie hätte mal wieder einen ihrer spontanen Einfälle gehabt und einen ihrer Gesinnungsfreunde besucht. Doch nachdem sie die zweite Nacht weggeblieben ist, bin ich jetzt hier, um meine Frau als vermisst zu melden.“

Karl Bulle brachte die bunte Tasche vom Fischteich mit herein zur Wache. Karl Koller warf einen Blick darauf und riss die Augen auf: „Wo haben sie die den her? Wer hat die gefunden und wo?“ „Nun mal langsam und alles der Reihe nach,“ versuchte Karl Bulle den hysterischen Koller zu beruhigen. „Ist das die Handtasche ihrer Frau?“ fragte er sein Gegenüber. „Natürlich, so ein Exemplar gibt es doch nur einmal in der Stadt,“ zeterte Koller und beruhigte sich allmählich. Die Ruhe, die Karl Bulle ausstrahlte, verfehlte auch bei ihm ihre Wirkung nicht. Bulle hakte nach: „Können Sie sich erklären, wie die Tasche an den Fischteich gekommen ist?“ „Natürlich nicht,“ ereiferte sich Koller erneut. „Was weiß ich, wo meine Frau ständig rumschwirrt. Ich blicke da nicht mehr durch, dehalb bin ich auch so spät stutzig geworden.“

Karl Bulle hielt Wort und rief Olaf Koch in der Redaktion an: „Wir sind noch nicht weiter gekommen. Bis auf die Tasche haben wir noch keinen entscheidenden Hinweis bekommen, wo Käthe Koller möglicherweise abgeblieben ist. Die Aussagen ihres Mannes haben uns auch nicht weiter gebracht. Mehr wissen wir zur Zeit nicht. Wir ermitteln erst einmal weiter und gehen erst an die Öffentlichkeit, wenn konkrete Ergebnisse vorliegen.“

Für Olaf Koch war dieses kurze Statement weder Fisch noch Fleisch, doch er musste die Geschichte jetzt zu Papier bringen, ehe sie öffentlich wurde und damit auch die Konkurrenz davon Wind bekam. Nur gut, dass er selbst ein Teil dieser Geschichte war und so hatte er seinen Lesern für den nächsten Tag einiges mitzuteilen. „Wo ist Käthe Koller?“ hieß die Schlagzeile über seinem ausführlichen Bericht, in dem er erst einmal die bisher bekannten Fakten auflistete. Mehr war für diesen Tag nicht zu tun. So lange Käthe Koller nicht auffindbar war, blieb die Geschichte halbgar. Was ist mit ihr passiert? Wo steckt sie? Geht es ihr gut? Lebt sie überhaupt noch? Alles Fragen, auf die es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Antwort gab.

„Erst einmal auf andere Gedanken kommen,“ sagte sich Koch am frühen Abend, nachdem er die Redaktion verlassen hatte und nach Hause geradelt war. Auf dem Küchentisch fand er eine Nachricht seiner Frau, dass sie mit den beiden Jungs zum Einkaufen gefahren war. „Auch gut“, murmelte er. „Dann schau ich mal, ob ich beim Lauftreff jemanden finde.“

Dieser Lauftreff hatte sich erst kürzlich spontan gebildet. Nach einer Ratssitzung hatte Olaf Koch mit dem Bürgermeister, Politikern und Jörg Kuhmöller, dem Geschäftsführer der Stadtwerke, zusammen gestanden und sich über Gott und die Welt unterhalten. Dabei wurde auch das Thema Gesundheit und Sport angesprochen. Alle waren sich einig: das kommt alles viel zu kurz in dieser hektischen Zeit. Die Herrenrunde blickte wie auf Kommando an sich herunter und versuchte erst gar nicht, die Wölbung über dem Hosengürtel einzuziehen.

Bürgermeister Paul Moormüller, der auch ein stattliches Bäuchlein vor sich hertrug, wagte den Vorstoß: „Warum treffen wir uns nicht einmal in der Woche am frühen Dienstagabend zur Laufrunde?“ Ich wäre sofort dabei und würde sogar Punkte bei meiner Frau sammeln, die ob meines Gewichts schon scheele Bemerkungen gemacht hat.“ „Ich bin auch dabei, wann immer ich kann,“ zeigte sich der Stadtwerke-Chef ebenfalls begeistert von diesem Vorschlag. Walter Jubock von der SPD war ebenfalls mit von der Partie und auch Josef Kannebier, der designierte Vorsitzende der FDP-Fraktion, schloss sich auch der Runde an.

Heute war Dienstag und in der Zeit war er auch. Olaf Koch fuhr zum vereinbarten Treffpunkt in der Kroner Heide, einem kleinen Parkplatz, der auch von Wanderern gern genutzt wird. Hier traf er just die Herren, mit denen er im Rathaus zusammen gestanden hatte. „Dann mal los,“ sagte der Bürgermeister in die Runde. „Wir sind anscheinend komplett oder wird noch jemand erwartet?“ Kopfschütteln allenthalben, die Gruppe setzte gemütlich in Bewegung.

Vorbei an einem Bauernhof ging es durch ein Wäldchen, dann links ab über die Autobahn. Rechte Hand lag der Franz-Felix-See, ein beliebtes Naherholungsgebiet. Zwischen dem See und der Straße standen die Häuser der Feriensiedlung in Reih und Glied; dort suchten vor allem Kohlenpottler an Wochenenden Ruhe und Erholung.

Die Joggerrunde trabte gerade an der Feriensiedlung vorbei, als es plötzlich in einem der Häuser mächtig rumorte. Daraus drang eine tiefe Stimme, die bayrisch eingefärbt war: „Jetzt habe ich aber die Schnauze voll. Entweder sie parieren jetzt oder ich kann für nichts mehr garantieren.“

» wird fortgesetzt

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