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Fragwürdiger Vorstoß

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Barack Obamas Plan, durch Gespräche mit sogenannten „gemäßigten“ Taliban eine Befriedung Afghanistans zu beschleunigen, stützt sich vor allem auf die bittere Erkenntnis: Die US-Regierung kann mit militärischem Engagement als wichtigstem Handlungs-Faktor dieses Ziel vermutlich nicht erreichen.

Zudem fürchten Militärs nun eine „Frühjahrsoffensive“ der Taliban gegen Nato-Truppen, was sich in den ersten beiden Monaten des Jahres bereits durch ernüchternde Zahlen andeutet. Im Januar und Februar kamen in Afghanistan durch Bombenattacken mit 32 Militärangehörigen dreimal so viele ausländische Soldaten ums Leben wie im Vorjahreszeitraum, in dem es lediglich zehn Tote zu beklagen gab.

Dies deute, so glauben Pentagon-Experten, darauf hin, dass die Extremisten im Land weiter an Macht gewinnen, ausgereiftere Bomben-Technologie einsetzen und dass deshalb den 17000 neu in Richtung Afghanistan in Marsch gesetzten US-Soldaten ein harter Kampf bevorsteht.

Auch daraus entspringt die Absicht Obamas, mit einem frischen Strategie-Ansatz den Konflikt zu betrachten und dem Aspekt der politischen Stabilisierung größeren Stellenwert einzuräumen. Die Hoffnung dabei ist, dass Verhandlungen ähnliche Erfolge bringen könnten wie im Irak, wo es den US-Strategen während der Amtszeit Bushs gelang, sunnitische regionale Führer davon zu überzeugen, ihre Allianz mit El-Kaida-Terroristen aufzugeben und sogar gegen die Organisation Osama Bin Ladens mit Waffengewalt vorzugehen.

Dies hat im Irak zu einer spürbaren Beruhigung der Lage geführt. Doch Kommentatoren wiesen am Montag bereits darauf hin, dass das Modell Irak nicht unbedingt als Blaupause für Afghanistan dienen könne.

Eine Befürchtung ist, dass der Vorstoß Obamas am Ende die Taliban noch stärker machen könnte. Darauf deutet die Entwicklung in Pakistan hin. Unklar ist derzeit auch, wie man dialogwillige Taliban identifizieren und wie man die Verhandlungswilligen vor Repressalien und Racheakten der Hardliner im Land schützen kann, die als Hauptdrahtzieher der Aktionen gegen die Nato-Truppen gelten.

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