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Frühschicht im Kuhstall

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Von Karin Printing

Borkenwirthe. Morgens um 5.30 Uhr. Die Kühe im Stall von Georg Uphues sind wahrscheinlich schon länger wach als ich.

„Na, aus dem Bett gefallen“, begrüßt mich wissend der Herr des Borkenwirther Hofs. Schon bestens gelaunt und mit einem Kaffee und einem Butterbrot fürs Erste gestärkt, steht der 42-Jährige vor mir. Ich murmel vor mich hin und trotte dann schlaftrunken hinter dem Vater dreier Kinder - Tony, Felix und Lena - her in den Melkstall.

Der Betriebshelfer Franz-Josef Delsing und Grezegorz Modrzejewski, Angestellter des Hofs, sind auch schon da: „Moin, wir treiben schon einmal die Kühe aus dem offenen Boxenlaufställen in den Wartebereich“, ist da zu hören.

Und jetzt, ein paar Minuten später kommen auch schon Kuh „Nummer 1, 2 und 3“ in den Melkstand. „Nee, bei 200 Kühen haben die Tiere keine Namen mehr“, enttäuscht mich der Borkenwirther. Die Kühe hätten hier alle Nummern - von „Eins“ bis ungefähr „Zweihundert“.

Neun Nummerngirls gehen inzwischen nach links und neun gehen nach rechts. Ihre Hinterteile und Euter ragen in die Mitte, wo etwa einen Meter tiefer die Arbeitszone von Franz-Josef Deseling liegt. Während Uphues und Modrzejewski heute ausmisten und fürs Futter sorgen, ist der Betriebshelfer heute der Melker.

Bevor die Schwarz- und Rotbunten in den Melkstand des Hofs mit rund 600 Tieren und 110 Hektar Fläche dürfen, wird der gesamte Raum abgespritzt. Hygiene ist oberstes Gebot. Schließlich lebe man vom Vertrauen der Kunden, meint Uphues. Dazu zählt auch, dass einmal im Monat die Milch der Kühe überprüft wird. So wie an diesem Tag, an dem Georgs Frau, Annette, den drei Männern zur Seite steht und von jeder Kuh eine Milchprobe nimmt.

Ehe sie das jedoch kann, müssen die Kühe an die Melkmaschine angedockt werden. Angst davor spürt man bei den Vierbeinern keine. Den Melkern mit den kalten Händen gibt es hier nicht mehr. Das Wasser aus dem Schlauch von Melker Franz-Josef Delsing ist angenehm war. Damit sprüht er den Schmutz vom Euter ab, die Milchkühe lassen ihn gewähren.

Danach werden die Melkzeuge an die Zitzen gehangen. „Fffth“, macht es kurz als die je vier Melkbecher untergestülpt werden. Und schon geht es los mit dem Abpumpen der Milch. Bis zu zwölf Liter werden von jedem Tier so abgezapft - sowohl morgens ab 5.30 Uhr als auch abends ab 17 Uhr. Das ergibt eine Tagesleistung von im Schnitt 23 bis 24 Litern und eine Jahresleistung von 9300 Litern pro Kuh.

Gefüttert werden die Tiere vier Mal am Tag mit einem Gemisch aus Mais, Gras, Luzerne, Heu, Kraftfutter und anderem. Im Durchschnitt 45 Kilogramm seien das, erzählt er. Dazu noch 120 Liter Wasser.

Mittlerweile ist es 6 Uhr und die ersten Kühe sind gemolken. Rund zehn Minuten dauert der Melkvorgang. Abgeholt wird die gemolkene Milch alle zwei Tage.

Gegen 6.30 Uhr ist fast die Hälfte der Kühe gemolken. Wenn es weiter so gut läuft liegt nur noch eine Stunde Arbeit vor den vier Frühaufstehern. Dann gibt´s endlich Frühstück. Warum sie das jeden Tag mitmachen: „Weil es Spaß macht.“ Warum wohl sonst?

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