1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Für Handy und Handtasche in die Miesen

  6. >

Lenz

Für Handy und Handtasche in die Miesen

wn

Es passiert immer öfter und schneller: das Jugendliche in der Schuldenfalle landen. Dabei muss es nicht gleich der ganz große Absturz mit Schulden in Höhe von vier- oder fünfstelligen Beträgen sein. Es reichen schon die 50 Euro Miese bei der Freundin für die tollen neuen Schuhe oder die fehlenden 60 Euro für die Handyrechnung.

Das zumindest weiß Matthias Kaiser vom SKM Münster. Das ist Sozialdienst Katholischer Männer. Mitarbeiter dieses Vereins gehen auch in Schulen und machen dort eine Schuldnerberatung. Damit den Jugendlichen klar wird, was es eigentlich bedeutet, Schulden zu haben.

Und so macht Kaiser es auch an diesem Morgen in der Paul-Gerhardt-Schule. Der theoretische Hintergrund ist rasch geklärt. Solange man Geld nicht zurückzahlt – egal, ob man dazu in der Lage ist oder nicht – hat man Schulden. Auch drei Euro für den Kaffee bei der Freundin sind Schulden. Oftmals gelangen Jugendliche jedoch in Schuldenfallen, weil sie übers Internet einkaufen, Handytöne downloaden oder über ihren Maßstäben leben.

Abhilfe schafft da ein kleiner „Haushaltsplan“, wie Kaiser ihn an diesem Morgen auch mit der zehnten Klasse von Stephanie Kynast durchgeht. Darauf tragen die Jungen und Mädchen ein, was sie im Monat an Geld ausgeben. Für Essen, Trinken, Klamotten, Handy, Süßigkeiten, Kino, CDs, Discoeintritt. Da kommt so einiges zusammen und der ein oder andere staunt nicht schlecht, als er sieht, welche Summe sich am Monatsende ergibt.

Kaiser erklärt, dass eine solche Beratung in einer zehnten Klasse oftmals schon zu spät ist. In den meisten Fällen sind bereits Schüler der siebten Klasse betroffen. „Die Schuldenfalle schnappt immer früher zu“, seufzt Kaiser. Die Dunkelziffer sei erschreckend, weiß Kaiser.

Inga und Daniela sitzen angestrengt über dem Haushaltsplan, den Kaiser mitgebracht hat. Darin soll in einer fiktiven Situation der Auszug von zu Hause durchgerechnet werden. Den beiden Mädchen raucht schon der Kopf. Sie hatten keine Ahnung, wie viele Dinge man beachten muss und vor allem wie teuer sie sind. Eines merken sie jedoch schnell: Wenn man sich untereinander berät, über Geld spricht und Finanzierungspläne diskutiert, kommt man in vielen Fällen Fehlinvestitionen auf die Schliche. Keine schlechte Idee also. Auch wenn Schulden irgendwie immer noch ein Tabuthema sind. Die Schüler zumindest haben schon gelernt: drüber reden hilft.

Startseite