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Für Musharraf wird die Luft immer dünner

Dirk Anger

Islamabad/Münster - Die Luft für Pakistans umstrittenen Staatschef Pervez Musharraf wird vor der heutigen Präsidentenwahl immer dünner. Zwar gilt der 64-Jährige als erfahren in der Führung von Gebirgskriegen, doch die Auseinandersetzung mit den Gegnern im eigenen Land lässt ihm immer weniger Zeit zum Luftholen. Zu allem Überfluss drängen die Amerikaner, an deren Seite sich Musharraf seit den Terroranschlägen von 11. September 2001 geschlagen hat, darauf, dass die Islamische Republik Pakistan ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terror vor der eigenen Haustür verstärkt. Eine explosive Gemengelage, die die Weltöffentlichkeit besorgt auf den Atomstaat blicken lässt. Sollte Militärmachthaber Musharraf stürzen, droht nach Einschätzung von Beobachtern ein Chaos mit nicht vorhersehbaren Folgen.

Gestern erreichte den Armeechef eine weitere Hiobsbotschaft: Das Verfassungsgericht erklärte, dass nach der heutigen Wahl zunächst kein Endergebnis verkündet werden soll. Die Richter wollen in den nächsten Tagen Einsprüche der Opposition prüfen. Diese wirft Musharraf vor, als Armeechef nicht für das Präsidentenamt kandidieren zu dürfen. In der Vergangenheit hatte der General immer wieder erklärt, die Uniform ausziehen zu wollen. Doch bei diesen Ankündigungen ist es bislang geblieben; gilt doch das Militär als Machtbasis des Präsidenten. Der hatte sich 1999 unblutig gegen den kürzlich erneut des Landes verwiesenen Nawaz Sharif an die Macht geputscht. Mehr als die Hälfte seiner 60-jährigen Geschichte wird Pakistan nun von Generälen an der Staatsspitze regiert.

In den vergangenen Monaten hat Musharraf viel an Ansehen an der Heimatfront verloren: Der blutige Sturm auf die Rote Moschee, die Entlassung des höchsten Richters, der Kampf gegen religiöse Extremisten – Musharraf gilt als angeschlagen. Er hat die radikalen Islamisten genauso gegen sich aufgebracht wie etwa die protestierenden Rechtsanwälte, die in der Mehrzahl kaum in Verdacht stehen, einen islamischen Gottesstaat zu wollen.

Auch nach der heutigen Wahl, bei der der bekennende Whisky-Trinker Musharraf durch den Rückzug der oppositionellen Abgeordneten eine gesicherte Stimmenmehrheit im Parlament in Islamabad und den vier Provinzversammlungen zu haben scheint, dürften die Konflikte weitergehen. Denn Mitte Okotber will die einstige Ex-Premierministerin Benazir Buttho aus dem Exil in die Heimat zurück. Und an der Grenze zu Afghanistan nimmt die Jagd nach El-Kaida-Kämpfern wohl kein Ende.

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