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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Für „Rudi“ ist der Krieg noch lange nicht vorbei

Vera Konermann

<1>Tecklenburg. Ob der Krieg nun zu Ende ist? Ramanan Mahalingam ist skeptisch. „Die ganze Welt denkt, der Krieg ist vorbei. Aber jeden Tag sterben Menschen in Sri Lanka“, sagt der 27-Jährige. Wie seine Frau Jeyarubasanthy (25) ist Ramanan Mahalingam Tamile. Aufgewachsen in Jaffna im Norden Sri Lankas weiß er von Kindesbeinen an, was Bürgerkrieg bedeutet. Auch wenn ihm vor zehn Jahren die Flucht gelang – für ihn ist der Krieg nicht vorbei. In Tecklenburg fand er ein neues Zuhause. Im Restaurant Fabula hat er eine Stelle als Koch. Dort kennen ihn alle als Rudi. „Ramanan ist zu schwer“, sagt er lächelnd.

In Tecklenburg sollen auch die beiden Kinder Sararubina (3) und Jeruban (2) aufwachsen. Eine Rückkehr nach Sri Lanka können sich die Eltern nur schwer vorstellen. „Erst, wenn es einen unabhängigen tamilischen Staat gibt“, so Ramanan Mahalingam. Doch auch dann reizt ihn die Sache kaum. Die Menschen, die er liebte und die er vermisst, wird er dort nicht finden. Als seine Mutter mit ihren sechs Kindern 1997 per Schiff nach Indien fliehen wollte, schlug das Schicksal zu. Das Schiff verunglückte, die Mutter und vier Töchter starben. Zurück blieben Ramanan Mahalingam und sein Bruder.

Vom Vater war zunächst keine Hilfe zu erwarten. Er hatte sich 1985 nach Deutschland geflüchtet. Sein Versuch, die Söhne nachzuholen, schlug fehl. Erst als sich die heutige Vermieterin nochmals für die Söhne einsetzte, durften sie 1997 ausreisen. In den zwei Jahren zuvor war Ramanan Mahalingam als Waise auf sich gestellt, erzählt der junge Mann.

Schon damals lernte er seine Frau Jeyarubasanthy kennen, die ebenfalls Waise war. „Wir waren sehr arm“, sagt Ramanan Mahalingam. Auch wenn er für hiesige Verhältnisse mit seiner Familie ein bescheidenes Leben führt, weiß er doch, um wie viel besser es ihm heute geht. Nun setzt er alle Hoffnungen in die Kinder. Tochter und Sohn sollen die Schule besuchen und alle Chancen in Deutschland nutzen, sagt er.

Weil er schon 16 Jahre alt war, als er nach Deutschland kam, habe er nicht sofort den deutschen Pass bekommen. Das soll sich ändern. Der Antrag auf Einbürgerung liegt den deutschen Behörden vor. Während Ehefrau Jeyarubasanthy den Sprachtest bestanden hat, muss Ramanan noch bangen. „Der Test war sehr schwer“, sagt er in gebrochenem Deutsch. Das Ergebnis erfährt er in einigen Tagen. Die ersten Brocken Deutsch lernte er von seiner Vermieterin. Den Rest besorgte das tägliche Leben und Arbeiten. Jeyarubasanthy hatte es leichter. Sie absolvierte einen Deutschkursus. Nun macht sie den Führerschein.

Dass er zwei tamilische Kollegen im Restaurant Fabula hat, freut den jungen Mann. Die Sprache, der kulturelle und religiöse Hintergrund verbinde die Hindus. Doch auch von den Einheimischen fühlt er sich gut angenommen.

<2>„Es gibt solche und solche“, sagt er über die Eigenarten der Deutschen. Letztlich habe er auch keine guten Erfahrungen mit den Menschen in Sri Lanka gemacht. Denn als er sich als bettelarme Waise durchgeschlagen habe, hätten sich auch die Verwandten nicht um ihn kümmern wollen. „Jetzt, wo ich arbeite und ein vernünftiges Leben führe, ist das anders“, erzählt er.

Was er sich für sein Leben in Deutschland wünscht? Die Antwort von Ramanan Mahalingam klingt bescheiden: „Ich möchte nur ganz normal arbeiten. Ich möchte meinen Kindern ein vernünftiges Leben geben.“

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