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Landtagswahl NRW 2010

Für Rüttgers geht es um alles

Wilfried Goebels

Düsseldorf - Es sind keine leichten Tage für Jürgen Rüttgers. Bis zum Jahreswechsel galt die Wiederwahl des schwarzen Regierungschefs im einst roten Stammland NRW als reine Formsache. Nach dem holprigen Start der Koalition in Berlin und hausgemachten Spenden-Affären muss Rüttgers um seine zweite Amtszeit kämpfen. „Es steht auf Messers Schneide“, fürchtet der Ministerpräsident. Einen „Plan B“ für den Notfall hat sich der CDU-Spitzenkandidat nicht zurechtgelegt. „Es reicht für Schwarz-Gelb.“

Kurz vor dem Wahlsonntag bestimmt die Angst der Bürger vor dem Überschwappen der Griechenland-Krise die Debatten an den Parteiständen. Der „Kohlianer“ Rüttgers präsentiert sich als Europäer, versierter Krisenmanager und Garant für Stabilität. In der Krise scheut der Wähler den Wechsel. Deshalb baut Rüttgers wie Konrad Adenauer auf die Parole „Keine Zeit für Experimente“. Daneben steht die eigene Bilanz. „Wir haben NRW sicher durch die Finanzkrise geführt.“ Rüttgers Mantra: Kompetenz ist unverzichtbar, die Anderen können´s nicht. Offen warnt er: „Rot-Grün macht arm. Rot-Rot-Grün schafft Chaos.“

In der fünfjährigen Amtszeit hat der Pulheimer erfolgreich das Image als Sozialpolitiker gepflegt und das Spielfeld der Genossen beackert. In Umfragen galt der selbst ernannte „Arbeiterführer“ zeitweise als populärster Sozialdemokrat in NRW. Die SPD schäumte, Rüttgers frohlockte über den politischen Schachzug. Gemeinsam mit dem liberalen Partner erarbeitete sich der Regierungschef eine weit über die Parteigrenzen hinaus anerkannte Leistungsbilanz.

Rüttgers hat nicht viel falsch gemacht seit 2005. NRW hat heute 235 000 Arbeitslose weniger - trotz Krise. 14 000 Stellen in der Landesverwaltung wurden gekappt, 8000 zusätzliche Lehrer eingestellt, allein 2,9 Milliarden Euro in Bildung und Kitas investiert. Alles lief blendend - wenn den Organisator der Macht nicht vor der Wahl einige Fehler aus dem Wahlkampf 2005 eingeholt hätten. „Maulwürfe“ aus dem eigenen Apparat hatten internes Skandal-Material zu Sponsoring und Spendenpraxis durchgestochen. Rüttgers sah sich dem unhaltbaren Vorwurf der „Käuflichkeit“ ausgesetzt, weil die Partei versucht hatte, den Chef als Gesprächspartner zu vermieten. Rüttgers´ Amtsbonus aber ist angekratzt.

In diesen Tagen quält den CDU-Landeschef eine „neue Qualität von Schmutzwahlkampf“. Der misstrauische Amtsinhaber wirkt seither leicht verunsichert. Dem oft kühl wirkenden Rüttgers fehlt eine große „Prätorianer-Garde“, die für ihn durchs Feuer geht. Der Endspurt wird zur „One-Man-Show“ des Kandidaten. Für den nachdenklichen 58-Jährigen geht es um die politische Existenz.

Auf der „Zuhör-Tour“ bemüht sich der Kandidat, das Bild vom „Rent a Rüttgers“ vergessen zu machen. Kompetent, glaubwürdig, bürgernah: das ist das Bild, mit dem Rüttgers glänzen will. Das Publikum begegnet dem CDU-Chef durchaus wohlwollend. Beim „Abend mit Angelika und Jürgen Rüttgers“ lässt es die CDU menscheln.

Dass die CDU am Sonntag ihr Jubelergebnis von 44,8 Prozent im Jahr 2005 wiederholen kann, ist nach den Unfragen kaum denkbar.

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