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Für wen Hollywoods Herz schlägt

C. Kramer-Santel

Los Angeles/Münster - Hollywood im Obama-Fieber: „Jede Woche findet eine andere glitzernde Fundraiser-Party statt – mit Champagner, Gourmet-Catering und vielen reichen Schauspielern“, beschreibt die Kolumnistin der „Los Angeles Times“ das Geschehen.

Ginge es nach den Schönen und Reichen auf dem Hollywood Hill, hätte Barack Obama schon gewonnen. Allein im September verbuchte der demokratische Kandidat einen Spendenrekord von 150 Millionen Dollar – auch dank zahlloser Spenden aus Kreisen der US-Unterhaltungsindustrie. Steven Spielberg, Tom Hanks, George Clooney, Leonardo Di Caprio, Richard Gere, Jodie Foster, Scarlett Johansson und Halle Berry – die Liste der A-Promis für Obama wird immer länger.

Der republikanische Kandidat John McCain kann dagegen nur mit wenigen Stars aufwarten: Hollywood-Veteranen wie Clint Eastwood, Harrison Ford, Sylvester Stallone und Tom Selleck gehören dazu – und immerhin denkt die flotte Angelina Jolie laut darüber nach, McCain zu wählen.

Selten hat es so viel finanzielle und verbale Unterstützung für einen Kandidaten gegeben wie für Obama. Unlängst meldete sich beispielsweise Matt Damon zu Wort und erklärte, sich McCains „Running Mate“ Sarah Palin als Präsidentin vorzustellen, sei wie „ein wirklich schlechter Disney-Film“.

Auch viele Musiker unterstützen Obama. Allein die Rockstars Bruce Springsteen und Billy Joel sammelten bei einem Konzert sieben Millionen Dollar (5,2 Millionen Euro) für seine Wahlkampfkasse. Schon bei den Vorwahlen stellten sich afroamerikanische Künstler hinter ihn. Allen voran die Rapper Common und Will.I.Am von den Black Eyed Peas. Sie stellten ein Video mit dem Titel „Yes we can“ bei Youtube ein – unterstützt von zahlreichen anderen Musikern.

Doch hilft Obama die Sympathiewelle Hollywoods? McCain kann sich damit trösten, dass auch bei den vergangenen Wahlen Musiker und Schauspieler begeistert für den demokratischen Kandidaten John Kerry eintraten – doch Sieger wurde am Ende der Republikaner George W. Bush. Dass Obama von der liberalen künstlerischen Elite unterstützt wird, sehen viele traditionelle Wähler skeptisch. McCain versucht deshalb, seinen Gegenspieler Obama als „Glamour“-Mann abzutun, dem die Nähe zum einfachen Volk fehlt.

Doch Obama hat die Gefahr erkannt: Während sich Bill Clinton gerne mit Rockstars ablichten ließ, sie sogar von Zeit zu Zeit mit einem Saxofon begleitete, versucht Obama seriös und präsidiabel aufzutreten. Er braucht zwar die Stars als Geldgeber, hält sie aber auf Distanz.

Paradoxerweise haben ja gerade die Republikaner vorgemacht, wie man es als Hollywood-Star ohne erkennbare politische Vorbildung an die Schalthebel der Macht bringen kann. Mit Ronald Reagan wurde bekanntermaßen ein ehemaliger Schauspieler US-Präsident. Und der frühere Actionheld Arnold Schwarzenegger ist republikanischer Gouverneur im Sonnenstaat Kalifornien, wo all die Reichen und Schönen wohnen. Er hat sich übrigens auf die Seite McCains geschlagen. Dagegen votiert seine Frau Maria Shriver, eine Nichte von John F. Kennedy, für Obama. . .

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