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Hintergrund G8

G8-Premiere des Nicolas Sarkozy

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Paris – Erst drei Wochen ist Nicolas Sarkozy im Amt, wenn er beim G8-Gipfel in Heiligendamm auf dem Präsentierteller erscheint. Die Erwartungen der anderen Sieben an den neuen französischen Präsidenten dürften zumindest so gespannt sein wie seine eigenen an diesen Gipfel. Denn zum einen wirft die große Gestalt des Jacques Chirac, der zwölf Jahre lang Frankreich auf der Weltbühne vertreten hat, noch lange Schatten.

Zum anderen ist der 52-jährige Nachfolger nach einem innenpolitisch gefärbten Wahlkampf außerhalb der „Grande Nation“ noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Wird er mit Pathos auftreten oder aber Farbe bekennen, wie die Gipfelthemen es verlangen? In jedem Fall wird Paris weiterhin von einem Staatschef vertreten, der Akzente zu setzen weiß.

Realistisch und pragmatisch dürfte der neue Bewohner des ÉlyséePalastes an seine erste Tuchfühlung in dem Achter-Kreis gehen. Wie man einen Charme-Feldzug führt, hatte Sarkozy mit dem Blitzbesuch bei Bundeskanzlerin und G8-Gastgeberin Angela Merkel nur Stunden nach seiner Amtseinsetzung am 16. Mai schon bewiesen. Aber auch die heißen Eisen von Heiligendamm kommen ihm durchaus entgegen. Globalisierung besser auszutarieren, etwas gegen die drohende Klimakatastrophe zu tun und auch für die Entwicklung des Kontinents Afrika, dafür hatte sich Sarkozy im Wahlkampf stark gemacht. „Papas Afrika“, jene von Chirac noch gepflegte paternalistische Sicht, lehnt er strikt ab.

Aber nicht nur für Afrika will sich Sarkozy „schlagen“. Für die Gipfeldebatten ist auch wichtig, dass der neue Präsident dem „Kampf gegen den Klimawandel im diplomatischen Handeln Frankreichs“ Vorrang einräumen will, wie auch der „Verteidigung der Menschenrechte“. Es bleibt abzuwarten, ob er sich Peking gegenüber für Menschenrechte in Tibet einsetzt. Oder ob er, Washington näher stehend als Chirac, den US-Präsidenten wirklich bedrängt, beim Kampf gegen den Klimawandel zu helfen. Frankreichs „neue“ Weltpolitik kommt damit erst noch auf den Prüfstand. Pariser Experten gehen dabei nicht unbedingt von riesigen Veränderungen zur bisherigen Diplomatie aus, nur weil Sarkozy als ein Mann des „sanften Bruchs“ die Wahlen um das höchste Amt gewonnen hat.

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