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Gefährliche Zeit für Robben

Doerthe Rayen

Die Bilder aus der Arktis gehen um die Welt und lösen vor allem in Europa schon seit Jahren Empörung aus: In Kanada hat die kommerzielle Jagd auf Robben wieder begonnen. Jedes Jahr, wenn es bei uns Frühling wird, fahren Robbenjäger raus in ihre Jagdreviere. Die liegen vor der Küste Labradors, Neufundlands und im St.-Lorenz-Golf. Dorthin zieht es viele Robben. Sie kommen vom Nordpol und richten auf dem Pack- und Schwimmeis vor Kanada ihre Kinderstube ein.

270000 Tiere dürfen die Robbenfänger dieses Jahr erlegen. Das hat die Regierung in Kanada beschlossen. Die Zahl ist schwindelerregend hoch. Im vergangenen Winter waren sogar 335000 Tiere zum Töten freigegeben worden. Die ganz jungen Robben, die noch ein weißes Fell haben, dürfen nicht getötet werden. Erst wenn sie nach einigen Wochen einen silbergrauen Pelz bekommen, sind sie zur Jagd freigegeben.

Mehrere Tausend Jäger, Verarbeiter und Händler arbeiten in der kanadischen Robbenwirtschaft. Sie verdienen mit dem Töten und der Verarbeitung von Fleisch und Fell ihren Lebensunterhalt. Besonders begehrt ist der Pelz. Reiche Chinesen und Russen zahlen für einen Robbenmantel ganz viel Geld.

Die Jagd auf Robben stößt bei vielen Menschen auf Entsetzen. Weltweit wird sie von Tierschützern kritisiert. Sie sprechen davon, dass die Tiere furchtbar abgeschlachtet werden. Wenn sie aufrufen, keinerlei Robbenprodukte zu kaufen – das heißt Boykott – dann geht es den Tierschützer weniger um den Artenschutz. Denn die Sattelrobben, die vorwiegend vor Kanada leben, sind nicht von der Ausrottung bedroht. Die Tierschützer fordern ein generelles Jagdverbot, weil sie die Robbenjagd und das Töten der Tiere viel zu grausam finden.

Vor Kanada hat die Robbenjagd Tradition. Die Inuit, so werden Eskimos genannt, haben immer schon Robben zur Selbstversorgung getötet. Von Tierschützern werden sie dafür aber nicht kritisiert. Die klagen den furchtbaren Massenfang an.

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