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Geht es ohne Elefanten?

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Münster - Ist es richtig, wenn die Stadt Münster in Zeiten der Haushaltskrise den Bau eines neuen Elefantenparks im Allwetterzoo mit sechs Millionen Euro bezuschusst? Über diese Frage ist in Münster eine öffentliche Debatte entbrannt. Im Gespräch mit WN-Redakteur Klaus Baumeister geht Zoodirektor Jörg Adler auf die Diskussion ein.

Herr Adler, der Allwetterzoo möchte einen neuen Elefantenpark bauen, aber die Ratsparteien packen das Thema nur mit spitzen Finger an. Ärgert Sie das?

Adler: Nein, das ärgert mich nicht, aber es bedrückt mich. Wir schieben das Thema Elefantenpark seit Jahren vor uns her. Bereits in den 90er Jahren haben wir ein Konzept erarbeitet, das diese Investition vorsieht. Möglicherweise kommen wir mit unserem erneuten Antrag jetzt einfach zur Unzeit.

Bereuen Sie es, den Elefantenpark nicht schon vor drei oder vier Jahren gebaut zu haben?

Adler: Ja, vielleicht hätten wir in der Vergangenheit unser Anliegen mit etwas mehr Nachdruck artikulieren müssen. Doch wir haben den Zoo an verschiedenen Stellen modernisiert. Wir wollten die Besucher nicht mit Baustellen überfordern.

Sechs Millionen Euro Zuschuss können einen Lokalpolitiker aber auch überfordern.

Adler: Sechs Millionen Euro sind sicherlich viel Geld. Doch wir benötigen das Geld nicht auf einen Schlag. Drei Jahre lang, von 2011 bis 2013, jeweils zwei Millionen Euro, damit wäre uns geholfen.

Ist es nicht normal, wenn Kommunalpolitiker in Zeiten der Haushaltskrise andere Sorgen haben als die Finanzierung eines Elefantengeheges?

Adler: Vollkommen richtig. Ich stelle mich auch der Debatte und begreife die öffentliche Diskussion, die jetzt entfacht wurde, als eine Chance. Die Stadtgesellschaft von Münster und ihre politischen Repräsentanten können und müssen darüber befinden, welchen Stellenwert sie dem Zoo beimessen. Wenn am Ende dieser Diskussion eine langfristige Strategie steht - mit wie viel Geld auch immer sie verbunden ist - so wäre das sehr hilfreich.

Sie begründen die Investition mit den gestiegenen Anforderungen an die Elefantenhaltung. Wäre ein Allwetterzoo ohne Elefanten denkbar?

Adler: Denkbar ist alles. Wir kämpfen dafür, auch weiterhin Elefanten halten zu können. Aber das ist kein Muss. Hier stellt sich wiederum die politische Frage: Welches Profil soll Münsters Zoo haben, und welche Bedeutung soll der Zoo für die Attraktivität der Stadt haben?

Können Sie das näher erklären?

Adler: Die Elefantenhaltung ist teuer und personalintensiv. Die Zoos in Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen haben keine Elefanten. Es geht also ohne. Für Münster indes sind sie ein Alleinstellungsmerkmal. Zwei Mal am Tag dürfen die Besucher die Elefanten füttern. Das gibt es sonst nirgendwo. Die Elefantenfütterung und das Erlebnis der unmittelbaren Begegnung mit Elefanten, darüber müssen wir uns im Klaren sein, ist für viele Menschen ein wichtiger Grund für einen Zoobesuch in Münster.

Sie befürchten sinkende Besucherzahlen?

Adler: Das wäre ohne Zweifel die Folge. Es gäbe eine deutliche Verlagerung von Münster nach Köln. Dort wurde für viel Geld ein moderner Elefantenpark gebaut.

Wäre es vielleicht eine Alternative, den Elefantenpark in Etappen zu bauen?

Adler: Das wäre ein riesiges Problem. Das jetzige Elefantengehege und der künftige Elefantenpark liegen im Herzen des Zoos. Die Wege der Baustellenfahrzeuge und der Besucher werden sich zwangsläufig kreuzen. Das stellt eine enorme logistische Herausforderung dar, die zeitlich begrenzt sein muss. Wir planen den Baubeginn im Herbst 2011, also nach der Hauptsaison, und wollen im Frühjahr 2013, vor der Hauptsaison, fertig sein.

Der Zooverein hat 8000 Mitglieder. Welche Rolle wird er bei der Frage des Elefantenparks spielen?

Adler: Der Zooverein dokumentiert die starke bürgerschaftliche Verankerung des Zoos. In diesem Verein müssen wir sicherlich niemanden mehr für die Elefanten begeistern.

Sind Sie zuversichtlich, dass Sie die erforderlichen 1,5 Millionen Euro Eigenmittel für den Elefantenpark aufbringen können?

Adler: Ich sehe das sehr sportlich. Das ist eine echte Herausforderung. Wir sind aktuell dabei, eine westfälische Unternehmerinitiative für den Artenschutz zu gründen. Daran kann man erkennen, dass Spenden bei der Realisierung des Neubaus eine große Rolle spielen. Aber das funktioniert nur, wenn es eine positive Grundstimmung in der Politik und auch in der Öffentlichkeit gibt.

Sie haben die Zoos in Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen und Köln schon angesprochen. Gibt es eine zunehmende Konkurrenz?

Adler: Ja. Vor zehn Jahren waren wir es, die andere in Zugzwang gebracht haben. Jetzt müssen wir reagieren. Etwa die Zoos in Osnabrück, Duisburg, Wuppertal, Köln und auch in den Niederlanden haben deutlich an Attraktivität gewonnen. Wenn wir uns mit dem aktuellen Zustand zufrieden geben, werden wir zurückfallen.

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