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Politik Inland

Gekränkte Eitelkeiten

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Jede Woche eine neue demoskopisch erhobene Wasserstandsmeldung zur parteipolitischen Befindlichkeit im Lande. Die Polit-Strategen in den Parteizentralen lechzen nach diesen Daten - in der Hoffnung, daraus Honig saugen zu können fürs tagespolitische Gezänk-Geschäft. Jetzt plötzlich zwei Prozent mehr für die FDP; die Liberalen werden es als Balsam empfinden in den Wunden, die der jüngste Umfragen-Absturz bei ihr gerissen hat.

Die Zwei-Prozent-Momentaufnahme mag innerparteilich vorerst die Wogen ein wenig glätten - die FDP wird dennoch nicht umhinkommen, ihre koalitionspolitische Strategie zu korrigieren. Die ständigen Fingerhakeleien mit der CSU sind nicht zielführend. Ein blasser Rainer Brüderle muss nicht pikiert an seinem Amtsvorgänger herumkritteln, sondern seinen Minister-Job einfach besser machen als CSU-Star zu Guttenberg. Und Westerwelles Eifersüchteleien, der smarte „KaTe“ geriere sich im Verteidigungsminister-Amt auch als Neben-Außenminister, gehören in die Ablage „gekränkte Eitelkeit“.

Die FDP-Führung muss sich fragen, ob ein koalitionsinternes „Jeder-gegen-jeden-Spiel“ der kritischen wirtschaftlichen Lage im Lande gerecht wird. Und ob es nicht klüger wäre, in den zentralen Streitthemen hinter der öffentlichen Bühne in Ruhe Kompromisse mit CDU und CSU zu suchen. Die Wähler haben im September gewählt - das Land will und muss endlich regiert werden. Dazu braucht es keine Alleingänge und Profilneurosen, sondern entschlossenes Arbeiten.

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