1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Gemeinsam leben lernen

  6. >

Reste vom Vortag

Gemeinsam leben lernen

Alina Sander und Elmar Ries

Münster - Inklusion ist ein sehr nüchternes Wort, das übersetzt „Einschluss“ bedeutet und dem, worum es dabei konkret geht, eigentlich nicht wirklich gerecht wird. Behinderte und nicht Behinderte gemeinsam fordern und fördern, sie zusammen unterrichten und somit mehr Mit- anstatt Nebeneinander Alltag werden lassen: Das meint Inklusion - die von den Vereinten Nationen vor zwei Jahren als verbindlich umzusetzen vorgegeben wurde.

Einen weiteren Schritt in diese Richtung gehen nun auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sowie die Freie Wohlfahrtspflege und die Jugendämter. Alle drei haben sich darauf verständigt, die 30 heilpädagogischen Kindertagesstätten in Westfalen-Lippe bis 2015 in Einrichtungen umzuwandeln, in denen Jungen und Mädchen mit und ohne Behinderungen zusammen betreut werden. „Konkret bedeutet dies, dass wir versuchen, dort, wo es geht, einzelne Gruppen aus den heilpädagogischen Einrichtungen in die regulären Kitas zu überführen und andersherum“, erklärte LWL-Chef Dr. Wolfgang Kirsch gestern in Münster. Rund 90 Prozent aller 9000 Kinder mit Behinderungen werden derzeit bereits integrativ betreut - nun geht es um die verbliebenen zehn Prozent.

Wichtig dabei: Es gehe nicht darum, Leistungen für Behinderte zurückzufahren. Sparen ist nicht das Ziel, betonte Andreas Meiwes, der Vorsitzender der Landesar­beitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. „Die Heilpädagogik ist nicht Gegenstand irgendeines Spardiktates“, sagten er und Kirsch.

Der Vorteil für die nicht behinderten Kinder: Für sie wird der Umgang mit Behinderten alltäglich und damit das, was er sein sollte - normal. Der Vorteil für die behinderten Jungen und Mädchen (deren Zahl übrigens steigt): Sie müssen mitunter nicht mehr so weit gefahren werden, weil deutlich mehr Regelkindergärten künftig ein heilpädagogisches Angebot vorhalten.

Startseite