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Genossenschaftsbanken: „Risiken sind beherrschbar“

Thomas Pottebaum

Münster - Die Volks- und Raiffeisenbanken geben Entwarnung: Die Genossenschaftsbanken verzeichneten durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Risiken im „mittleren dreistelligen Millionenbereich“, teilte der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) am Donnerstag mit. Es sei zudem davon auszugehen, dass ein Teil der Forderungen später zurückflössen.

„Alle Institute sind in der Lage, mögliche Ausfälle aus der Lehman-Pleite aus eigener Ertragskraft beziehungsweise stillen Reserven gut zu bewältigen“, hieß es. Keine einzige Bank müsse wegen Lehman die Sicherungseinrichtung des BVR um finanzielle Hilfe bitten. Diese Angabe berücksichtige aber nicht die Zentralinstitute. „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind auch weiterhin einer der stabilsten Sektoren des deutschen Bankensystems und am wenigsten von der Finanzkrise betroffen“, so der BVR.

Für Unruhe hatte ein Bericht des „Handelsblattes“ gesorgt, wonach die deutschen Genossenschaftsbanken durch die Lehmann-Pleite mit bis zu einer Milliarde € belastet werden.

Auch die beiden genossenschaftlichen Zentralbanken beruhigten gestern die Gemüter. Die DZ-Bank-Gruppe (Frankfurt) – einschließlich der Tochterunternehmen – rechne mit möglichen Belastungen in Höhe von 300 Millionen €, sagte Sprecherin Ilja-Kristin Seewald gegenüber unserer Zeitung. „Diese Belastungen sind beherrschbar“.

Bei der WGZ Bank (Düsseldorf/Münster) seien es „deutlich unter 50 Millionen €“, sagte deren Sprecher Christian Brauckmann. Ansonsten gebe man über Einzelengagements keine Auskünfte.

„Entwarnung“ gab gestern auch Thorsten Weiland, Sprecher des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV/Münster). Die 210 Mitgliedsbanken seien mit einem „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ bei Lehman engagiert gewesen. Das höre sich dramatisch an, müsse aber ins Verhältnis gesetzt werden, sagte Weiland. Von den gesamten Aktiva flössen 60 Prozent in Kredite vor Ort, lediglich 20 Prozent in Wertpapiere. Und von diesen 20 Prozent seien lediglich 0,3 Prozent bei Lehman platziert gewesen. „Das bringt keine Bank hier in Gefahr. Da kann nichts anbrennen.“ Zudem sei die Besonderheit bei Volksbanken, dass alle Einlagen zu 100 Prozent abgesichert seien – „unbegrenzt nach oben.“

Das meint auch der Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW, Thomas Bieler: „Die Leute können ruhig schlafen“. Allein schon durch das Sicherungssystem der Genossenschaftsbanken seien nicht nur die Einlagen, sondern auch die Institute selbst geschützt.

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