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Geschafft!

Doerthe Rayen

Wie aus dem Ei gepellt: Das sagen wir, wenn sich Menschen fein angezogen haben. Sie haben sich dann angestrengt und rausgeputzt. Küken pellen sich auch aus ihrem Ei. Und das ist für die Kleinen ganz schön anstrengend. Einige schaffen es innerhalb von Minuten. Andere benötigen für das Schlüpfen Stunden. Da ist es gar nicht verwunderlich, wenn die Küken nach diesem Kraftakt erst mal Pause machen und ein Nickerchen halten. In dieser Zeit trocknet ihr Federkleid - und sie sehen wie flauschige Plüschtiere aus. Ihre Federn sind kuschelig weich.

Doch wie schaffen es die Küken vom Huhn bis zum Vogel Strauß eigentlich, sich aus der strammen Eihülle zu befreien? Das ist je nach Vogel ein bisschen verschieden. Die meisten haben ein angeborenes Werkzeug. Das ist der Eizahn - ein kleiner Hornhöcker, der auf dem Schnabel sitzt. „Der Schnabel ist bei Küken noch weich und folglich für das Eipicken nicht so geeignet“, weiß Michael Rolfs. Er ist Zooinspektor im Naturzoo Rheine. Rund um Ostern haben sie einen Schaukasten mit Hühnereiern bestückt. Da kann jeder zuschauen, wenn die kleinen Küken die Eischale regelrecht wie Papier prickeln. Im Idealfall pickt das Küken einmal rund ums Ei. Die Schalenhälften fallen auseinander - und das Küken schnuppert frische Luft.

Beim Vogel Strauß ist das anders. Er besitzt keinen Eizahn. „Das Straußenei“, weiß Kurator und Biologe Dr. Dirk Wewers aus dem Allwetterzoo in Münster, „ist fürs Aufpicken viel zu stabil.“ Immerhin kann sich ein erwachsener Mann auf das Ei stellen - und es passiert nichts.

Der Strauß arbeitet mit Kraft. Er setzt seine Füße ein und drückt damit gegen die Eischale. Schafft es der kleine Strauß aus eigener Anstrengung nicht, sich zu befreien, gibt er Schlupflaute von sich, ein leises Piepen. „Diese Geräusche hört der Vater“, sagt Dr. Wewers. Der hilft seinem Nachwuchs dann und drückt kräftig mit dem Fuß aufs Ei. Gemeinsam sprengen sie die Schale. Für das Straußenküken ist die Prozedur ähnlich anstrengend wie für das viel kleinere Hühnerküken. Der Strauß macht deshalb auch erst mal eine Pause. Und sieht dann aus wie aus dem Ei gepellt.

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