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Geschäfte unterm Rettungsschirm

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Frankfurt/Main - Es ist ein Novum in Deutschland seit Ausbruch der Finanzkrise: Erstmals hat sich mit der Aareal Bank eine profitable Bank offensichtlich ohne akute Notlage hervorgewagt und schlüpft unter den staatlichen Rettungsschirm. Stille Einlagen und staatliche Garantien als Vorsorgemaßnahme, so heißt es von dem Immobilienfinanzierer. Aus Sicht der Wiesbadener ein Schritt mit Vorbildcharakter: „Wir wollen eine Eisbrecherfunktion übernehmen“, sagt Vorstandschef Wolf Schumacher. Doch Experten sind skeptisch, dass nach dem Schritt der Aareal Bank nun ein vorsorglicher Run auf das Staatspaket folgen wird. Und nicht alle nehmen den Wiesbadenern ab, dass wirklich keine Probleme in Sicht sind.

„Wir haben ein neues Modell vorgelegt, und zwar ein - trotz Einbindung des staatlichen Rettungsfonds Soffin - privatwirtschaftliches Modell“, sagte Schumacher. Die Kapitalbasis werde durch eine Stille Einlage des Soffin gestärkt, der Staat beteilige sich aber nicht am Unternehmen. Für Schumacher ein sinnvoller Schritt: „Wenn der Staat, auf welche Weise auch immer, bei einer Bank engagiert ist, dann wird diese Bank in turbulenten Zeiten als besonders sicher angesehen.“ Insofern könne er sich „gut vorstellen“, dass einige dem Beispiel folgten.

„Die Aareal Bank ist eine Spezialbank“, sagt Martin Faust von der Frankfurt School of Finance. Für Institute mit einem sehr engen Geschäftsmodell wie etwa Autobanken könnte der Schritt der Aareal Bank ein Vorbild sein, meint Faust. „Ich glaube aber nicht, dass die Universalbanken dem Beispiel folgen werden.“ Die Deutsche Bank etwa sei so breit aufgestellt, dass sie nicht damit rechnen müsse, durch die Schieflage in einem Bereich Probleme zu bekommen.

Probleme nicht, aber vielleicht Wettbewerbsnachteile, so der Kölner Professor Thomas Harmann-Wendels. „Die Gefahr besteht, dass es international einen Subventionswettlauf gibt. Da könnte sich die Deutsche Bank dann auch irgendwann nicht mehr entziehen.“

Analyst Konrad Becker hält für möglich, dass die Postbank zugreift. „Sie könnte die einzige sein, die von dem Schritt profitiert.“ Nach dem Reinemachen bei ihren Aktieneinlagen könnte sie Kapital brauchen, um ihre Ausstattung zu verbessern. Für die übrige Bankenlandschaft sieht er dagegen keine Vorbildfunktion. Lan­­desbanken nutzten schon eifrig den Schirm, Sparkassen und Volksbanken refinanzierten sich nicht über den Kapitalmarkt. „Bleiben noch die ein oder andere Privatbank und kleinere Familienbanken.“

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