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Gespaltenes Land

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Israel bleibt ein zutiefst gespaltenes Land – zerrissen zwischen jenen Kräften, die den Aufbruch ersehnen: zu mehr Frieden, Fortschritt und wirtschaftlichem Aufschwung. Und eben solchen rückwärts gewandten...

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Nach der Wahl ist vor der Wahl. Israel bleibt ein zutiefst gespaltenes Land – zerrissen zwischen jenen Kräften, die den Aufbruch ersehnen: zu mehr Frieden, Fortschritt und wirtschaftlichem Aufschwung. Und eben solchen rückwärts gewandten, der Korruption nicht abgeneigten Falken, die ihr Heil vornehmlich in der Konfrontation mit den Palästinensern sowie im Ausbau der Siedlungen suchen.

„Bibi“ Netanjahu, als Regierungschef schon einmal kläglich gescheitert, hat sicher die besten Chancen, ein Regierungsbündnis im Schulterschluss mit den rechten Parteien auf die Beine zu stellen. Aber: Wer sich zuerst bewegt, kann schnell auf der Verliererstraße landen. Ein ultra-nationaler Regierungsblock hat begrenzte Haltbarkeit. Israel verfügt dahingehend über reichlich Erfahrung.

Klugheit und politisches Fingerspitzengefühl sind nun dringend vonnöten, um dem Land aus der Starre zu verhelfen. In einer Regierung der Einheit zwischen den großen Parteien könnte der Schlüssel zur Lösung liegen. Fraglich ist aber, ob sich Netanjahu zu einem Bündnis mit der kämpferischen Zipi Livni verbiegen kann. Israel zu versöhnen: Dieser Aufgabe wird die amtierende Außenministerin eindeutig besser gerecht.

Der klare Rechtsruck in Israel bedeutet aber in jedem Falle einen Rückschlag für den Frieden in Nahost. Das Wahlergebnis ist keine Ermunterung für Barack Obama und Washingtons neuen Kurs. Politik mit der Brechstange wird aber auch für Netanjahu wenig zielführend sein. Die USA werden Jerusalem zu Kompromissen zwingen – was den Schaden in Grenzen halten könnte.

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