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Feuerwerker Uwe Pawlowski

Gewappnet für den Ernstfall

Sandra Peter

Münster - Einsamkeit kennt Uwe Pawlowski gut. Der 48-Jährige vom Kampfmittelräumdienst wird gerufen, wenn - wie erst vergangenes Wochenende in Osnabrück - eine Bombe aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg gefunden wird. Wenn er sie entschärft, ist er in einem Radius von 300 bis 500 Metern mutterseelenallein. Er weiß, wenn er jetzt einen Fehler macht, wird es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sein letzter gewesen sein.

Seit vier Jahren arbeitet Pawlowski als Feuerwerker. Ungezählte Granaten, Handgranaten und sonstige Kleinmunition hat er beseitigt - und 67 Bomben entschärft. Routine ist nicht eingekehrt - und sie darf es auch nicht, erklärt der 48-Jährige. „Man muss immer vom Schlimmsten ausgehen“, so Pawlowski.

Das Schlimmste, das ist in dem Fall die Tatsache, dass die alte Bombe bei jedem Fehler, bei jeder Unachtsamkeit explodieren könnte. „Natürlich brauchen Sie da Nerven“, sagt Pawlowski. Dazu handwerkliches Geschick und innere Ruhe, selbst wenn der Adrenalinspiegel unaufhörlich steigt. Währenddessen darf keine Hektik aufkommen.

Denn dann neigt man dazu, Dinge zu tun, die das Risiko erhöhen, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker. Wenn Pawlowski eine Fliegerbombe sieht, läuft in seinem Kopf ein Film ab: Um welches Zündsystem handelt es sich? Was ist zu tun, was könnte als nächstes passieren? Schwierig wird es, wenn der Zünder verformt, verrostet und fast nicht mehr zu erkennen ist. „Dann kommt man ins Überlegen.“

Besonders tückisch seien die seltenen chemischen Langzeitzünder. In deren Innerem ist eine Säureampulle, man darf sie nicht einfach rausdrehen. In Göttingen sind 2010 drei Feuerwerker getötet worden, als eine Zehn-Zentner-Bombe mit ei­nem Säurezünder explodierte.

Zum Kampfmittelräumdienst kam Uwe Pawlowski durch Zufall: 1984 fing er als Kfz-Mechaniker bei der Bezirksregierung Arnsberg an, wechselte dann 1996, als die Werkstätten geschlossen wurden. Damit tat er es einem Kollegen aus der Werkstatt gleich, der ebenfalls zum Kampfmittelräumdienst gegangen war - und dann ist Pawlowski dort geblieben.

2005 bis 2007 folgten die Lehrgänge, in denen er das Bombenentschärfen lernte. An seinen ersten in Eigenregie entschärften Blindgänger erinnert sich der Gladbecker noch genau. Er wurde 2007 in Bocholt gefunden. „50 Kilo schwer, doppelt bezündert.“

Eine Standardentschärfung - mit dem Restrisiko, das immer präsent ist. Jetzt, im Frühjahr, steht Pawlowski eine arbeitsreiche Zeit bevor. Denn jetzt wird an vielen Orten die Erde bewegt - und dabei werden Bagger auf den einen oder anderen Blindgänger stoßen.

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