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GEZ-Panne: Seit 25 Jahren Verstorbener soll Geräte anmelden

Dirk Drunkenmölle

Burgsteinfurt - „Heute schon GEZahlt?“ In den Ohren von Beate und Hans-Michael Meyer klingt diese Frage der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie der reinste Hohn.

Aus Köln war dem Burgsteinfurter Ehepaar eine Aufforderung an Beate Meyers Vater mit der Post (weil man den Namen nicht unter der Anschrift im Adressenbestand finden konnte) und der Aufforderung auf den Tisch geflattert, bitteschön doch der Verpflichtung nachzukommen, Radio und Fernseher anzumelden und dafür Gebühren zu entrichten. Hans-Michael Meyer dachte an einen schlechten Scherz. Denn: Schwiegervater Karl Holländer ist bereits seit 25 Jahren tot.

„Wie peinlich ist das, solche Briefe zu verschicken?“, fragen die Meyers und wundern sich über die Adressenbestände und Buchführung bei der GEZ. Die hatte bereits im März für Aufsehen gesorgt, als sie einem toten Dackel in München aufgefordert hatte, seinen Fernseher anzumelden. Das Hundefrauchen war perplex. Und jetzt das.

Schließlich hatte Holländers Ehefrau Ruth den Anschluss nach dem Tod ihres Mannes umgemeldet, Tochter Beate wiederum den Anschluss der Mutter unter dem Familiennamen Meyer fortgeführt. Die fälligen Gebühren wurden Monat für Monat und Jahr für Jahr pünktlich und ohne Säumnis per Dauerauftrag überwiesen. Was war plötzlich geschehen, dass man so einen Brief verfasst?

Darüber hinaus wunderten sich die Meyers, dass die GEZ Holländers Namen statt mit „ä“ mit „e“ geschrieben hatte, wo doch die Schreibweise schon Mitte der 1960er Jahre geändert worden war.

„Es kann leider vorkommen, dass Adressen von verstorbenen Personen in die Bestände einfließen. Was wir natürlich sehr bedauern“, sucht Nicole Hurst auf Nachfrage unserer Zeitung nach einem Erklärungsversuch. Die Pressesprecherin erläutert, dass die GEZ verpflichtet ist, Rundfunkgebühren von allen Rundfunkteilnehmern einzuziehen. Informationsschreiben an Privatpersonen über 18, Selbstständige und Unternehmen, die noch kein GEZ-Konto besitzen, würden in regelmäßigen Abständen versandt, wobei man sich sowohl auf Daten der Einwohnermeldeämter als auch auf Bestände stützt, die auf dem Markt von großen Adressenanbietern verkauft werden. Hurst: „Allerdings müssen sowohl der Adressanbieter als auch die GEZ als deren Kunde davon ausgehen, dass es sich bei diesen Namen und Anschriften um lebende Personen beziehungsweise aktuelle Adressen handelt.“

Die GEZ versprach nun, den Namen in Kombination mit der Adresse in eine GEZ-interne anonymisierte Sperrdatei aufnehmen zu lassen, damit sich dieser Vorfall nicht wiederholt. Außerdem wurde der Familie Meyer der Name des Adressanbieters (ein Unternehmen in Gütersloh) genannt, um die Adresse für zukünftige Weitergabe sperren zu lassen. Das dauert aber wohl noch ein Weilchen. Mittlerweile erreichte das Ehepaar Meyer nämlich ein weiterer, an den Verstorbenen adressierter Brief in der Raiffeisenstraße. Inhalt: Eine Mahnung, die Geräte anzumelden und Gebühren zu zahlen . . .

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