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Glaube und Vernunft: Der Papst besucht Lourdes

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Die pulsierende, postmoderne Metropole Paris und der Wallfahrtsort Lourdes bilden die beiden Gegenpole der zehnten Auslandsreise des deutschen Papstes. Paris steht für das laizistische Frankreich, das, geprägt durch die Französische Revolution, die Sphären von Staat und Kirche seit jeher strikt voneinander trennt und sich die Einmischung der Kirche in politische wie staatliche Angelegenheiten verbittet. Lourdes steht sinnbildlich für die Kraft des Glaubens und der Hoffnung, die Millionen Menschen aus aller Welt Jahr für Jahr in den Marienwallfahrtsort pilgern lässt. Dort erbitten sie Heilung an Körper und Geist. Viele kehren gestärkt heim.

Papst Benedikt trifft bei seiner viertägigen Visite auf Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Privatleben zwar nicht gerade kirchenkonform aussieht, der politisch aber nach Ansicht von Beobachtern durchaus kirchenfreundlich agiert, was bei Verfechtern einer klaren Trennung von Staat und Kirche auf wenig Verständnis stößt. Von den 65 Millionen Einwohnern Frankreichs gehören rund 44,5 Millionen zur katholischen Kirche, die sich wegen der traditionellen historischen Verknüpfungen gerne als „älteste Tochter Roms“ bezeichnet.

Die „älteste Tochter“ hat im verweltlichten Umfeld mit Runzeln und Falten zu kämpfen. In 41 der 93 Ortskirchen geht die Zahl der Katholiken zurück, in rund 33 Diözesen blieb sie ungefähr stabil, in 19 Bistümern ist sie durch aktuelle Umstrukturierungen gestiegen. Fast schon dramatisch sieht es nach Auskunft von Beobachtern bei der Zahl der Priester aus. Landesweit sind 20 500 Welt- und Ordenspriester in der Seelsorge tätig, in 70 Diözesen weist die Personalstatistik bei den Priestern deutlich nach unten, in 20 blieb die Zahl stabil, sechs Bistümer melden einen leichten Anstieg.

Für Benedikt wird die Begegnung mit den Pilgern in Lourdes der pastoral wichtigste Programmpunkt sein. Anders als Johannes Paul II. ist Benedikt XVI. allerdings kein Freund des Gefühlsüberschwangs oder der medialen Gesten, sondern eher ein Mann des Intellekts. Von großer Bedeutung für ihn ist deshalb auch das Zusammentreffen mit Wissenschaftlern und Intellektuellen. Der Papst möchte Glauben und Vernunft stärker zusammenführen und die Multiplikatoren der Gesellschaft für die Anliegen von Theologie und Kirche gewinnen.

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