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Glauben ist alles

Cedric Gebhardt

b>Marienfeld/Ahlen. Die Trainingseinheit ist gerade beendet. Nun muss Mohammed Lartey nachholen, was zuvor nicht möglich war, aber für ihn unerlässlich ist: beten. Der 22-Jährige ist gläubiger Moslem und betet fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten. Das ist in Deutschland nicht so leicht, da hierzulande die Religion nicht den Stellenwert besitzt wie etwa in Larteys Heimat Ghana.

„In Marokko achtet man darauf, dass pünktlich gebetet wird. Hier muss ich mein Gebet nach dem Training nachholen“, sagt der aus Kiel verpflichtete Neuzugang. Dass das Leben in Deutschland nicht auf die Religion ausgerichtet ist, damit hat sich Lartey aber so gut es eben geht arrangiert. Seit seiner Kindheit ist er gläubig. Seine Mutter Carla, eine Deutsche, ist früh zum Islam übergetreten und trägt heute ein Kopftuch. Als Moslem hält Lartey sich nicht nur an die Gebete, sondern auch an die Fastenzeit, was als Leistungssportler nicht immer ganz einfach ist. Zudem muss er noch die Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen. Doch Lartey ist sich sicher, dass sich sein Glaube bewährt. „Ich werde dafür belohnt, das merke ich. Es gibt ein Leben nach diesem Leben. Dies ist nur die Qualifikation für das Leben danach. Wenn ich mich jetzt richtig verhalte, steht mir die Tür offen.“ Ganz so streng sieht Darlington Omodiagbe das nicht. Er betont nachdrücklich, dass er nur an Gott, aber nicht an die Kirche oder irgendwelche Religionen glaubt, obwohl er selbst als Christ getauft ist. „Religion ist der größte Fehler auf der Welt. Sie führt zu Kämpfen und Kriegen. Gott hat uns alle geschaffen und er hat nur von Liebe gesprochen.“ Dementsprechend verurteilt „Omo“ jede Form von Gewalt. Toleranz und Nächstenliebe sind für ihn wichtig. Auch religiösen Fanatismus lehnt er entschieden ab: „Es gibt keinen Menschen, der als Terrorist geboren wird. Das ist alles Gehirnwäsche.“ Er brauche auch keinen Papst, der ihm extra erzähle, was gut und was schlecht sei, was man tun dürfte und was nicht. „Gott ist in uns allen“, spürt Omodiagbe. Dafür habe er „1000 Beweise“. An Glück, Pech oder Zufall glaubt er nicht. Eine schlimme Kopfverletzung, die er seinerzeit mit Jena in Mainz erlitten hat, habe er dank Gott gut überstanden. Dass mancher Fan es ebenfalls übertreibt und den Fußball selbst wie eine Religion verehrt, können indes sowohl Mohammed Lartey als auch Darlington Omodiagbe nicht verstehen. Ebenso wenig, dass sich Ultras oder Hooligans gegenseitig die Köpfe einschlagen. „Die Menschen müssen lernen, dass es nicht mehr ist als nur ein Spiel“, sagen sie.

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